Kleine Flucht Allgäu: Sicherheitswochenende (Tag 3+4)

Das Wochenende im Allgäu stand ganz im Zeichen des Ortovox Sicherheitswochenende mit der Alpinschule Ober-Allgäu. Das war auch der eigentliche Grund für diesen Trip. Wir wollten unbedingt unsere Lawinensicherheits-Kenntnisse verbessern. Diese waren vor diesem Wochenende eher therotisch-autodiataktischer Natur. In Hochlagen, im unverspurten Gelände oder bei höheren (LWS 2++) haben wir uns bisher oft nicht wirklich wohl gefühlt. Entweder sind wir erst gar nicht losgegangen oder auf sehr „konservativen“ Routen. Sicherheit geht halt vor. Grund genug eine fundierte Ausbildung zu geniessen.

Da wir auf Schneeschuhen unterwegs sind, habe ich nach Angeboten für Schnee-FlipFlops gesucht. Gar nicht so einfach, da die meisten Kurse für Skitourengeher sind. Dann bin ich bei der Alpinschule Ober-Allgäu fündig geworden mit dem Sicherheitswochenende: Richtiger Einsatz der Sicherheitsausrüstung, Schnee- und Lawinenkunde, Beurteilung der Lawinengefahr, sorgfältige Geländewahl, intensives Training der Verschüttetensuche u.v.m. stehen auf dem Programm, das mit einer Tour endet. Dauer 2 Tage, 155€ inkl. Übernachtung und Mietmaterial. Die Ausbildungsinhalte haben sich sehr ordentlich angehört und daher habe ich kurzentschlossen gebucht.

Nach wenigen Tagen kamen die ausführlichen Unterlagen inklusive der Anforderungsliste für das Mietmaterial. Sehr ordentlich. Zweiter Pluspunkt. Der erste Pluspunkt ging an die Alpinschule alleine schon wegen des ursprünglichen Gründers: Anderl Heckmair, dem Erstbegeher der Eiger-Nordwand sowie der Grandes Jorasses über den Walkerpfeiler.

Treffpunkt sollte am Gasthof Grüntenblick in Agathazell sein. Agathazell ist ein sehr kleiner Ort. So klein, dass es keine Straßennamen gibt, sondern alle Häuser durchnummeriert sind und ein Agathazell vorweg gestellt haben. In diesem Gasthof hatten wir uns auch für die restlichen Tage einquartiert.

Hier trafen wir dann am Vorabend Bernd Zehetleitner, den Leiter der Bergschule. Für Montag hatten wir eine Teilbegehung des Hindelanger Klettersteigs mit ihm vor. Die Vorzeichen standen jedoch schon schlecht. Die Verhältnisse waren nicht pralle: Blankeis, Verwehungen und Wächten. Und der Wetterbericht sagte ab Montag: Scheiß-in-Dreck! Noch waren wir guter Hoffnung, aber es sollte letztendlich nichts werden. Dritter Pluspunkt für den netten Kontakt.

Am Samstag um 10.00 Uhr ging es los. Die beiden Bergführer stellten sich vor: Stephan und Rolf. Die Agenda sah Theorie für den ersten Tag vor. Kurzerhand wurde aber für den Nachmittag ein Teil des theoretischen Parts direkt in der Praxis umgesetzt. Umgang mit dem LVS-Geräten, Vorgehensweise bei der Verschüttensuche sowie Mehrfachverschüttungen waren die Hauptinhalte, die auch direkt in der Praxis ausführlich geübt wurden. Vierter Pluspunkt für diesen Teil.

Fast alle gängigen Geräte waren vorhanden und so konnte man direkt ausprobieren welche Unterschiede in der Handhabung und Leistungsfähigkeit bestanden. Mein Favorit ist der DPS Pieps. Auch genial: Die neue DSP-Sonde I-Probe mit eingebauten Empfänger (alle LVS-Geräte) und Abschaltungsfunktion gefundener LVS-Geräte (nur Pieps!), super bei Mehrfachverschüttungen.

Nach einem weiteren theoretischen Part, ging es an die Tourenplanung für den nächsten Tag – speziell unter dem Blickwinkel Gelände und Lawinensicherheit. Bei Bekanntgabe des Ziel traf uns allerdings der Schlag: Das Rangiswanger Horn. Da waren wir doch vorgestern erst. Aber ein nicht gefundener Cache und die Hoffnung auf viele Schaufel zur Unterstützung liessen mich das ganze recht positiv sehen. Ein Neutral für das Tourenziel. 😉 Danach haben wir uns am Abend noch ein paar Lawinen-DVDs gemeinsam reingezogen. „White Risk“ bis zum Bubu. 😉

Am nächsten Morgen ging es früh los. Wir hatten einen anderen Startpunkt als freitags: Die Angerhütte unterhalb des Horns. Beim Aufstieg gab es noch praktische Übungen neben einigen Erläuterungen. Das erste war Ausgraben eines Lawinenopfers und die richtige Vorgehensweise. Unglaublich wie lange es dauert „weisse Scheisse“ wegzuschaufeln und wie man dabei in seinem eigenen Saft steht. Allein in so einer Situation zu kommen, ist wirklich ein völlig widerlicher Gedanke. Ansonsten gab es noch viele interessante Infos auf der Strecke und mit Stephan hatte ich ein paar gute Schnacks.


Am Gipfel konnte ich 3 fleissige Helfer für eine weitere Ausgrabungsaktion des örtlichen Geocaches begeistern. Wir haben zwar den Felsen zu 2/3 ausgegraben, jedoch keinen Erfolg gehabt. Mittlerweile hatte ich Kontakt zum Onwer Tombiker und dank unseres dokumentierten Einsatz und unserer Mühen bei Cache 1+2 der Hörnertour, haben wir das Okidoki für den Log bekommen. Aber wir werden hier sowieso im Sommer nochmal herkommen.


Auf dem Rückweg gab es dann die Lektion im Sondieren. Unter einer Wächte wurde ein Rucksack verbuddelt und dann von oben „sondiert“. Den Unterschied zu anderen Untergründen spürt man deutlich. Danach ging es an den Abstieg. Wir waren eine gemischte Gruppe aus Skitourern, Boardern und eben wir Schneeschuh-Dabser. Daher mussten wir im Abstieg nochmal arbeiten. Wir wählten eine andere Abstiegsroute. Einen kleinen Verhauer hatten wir dabei, man sollte halt nicht jeder Spur folgen. 😉 Wir waren aber auch kurz nach den anderen Teilnehmern am Parkplatz. Und dann ging es zurück zum Hotel. Fünfter Pluspunkt für diesen Teil. Eine Stunde später traf dann die prognostizierte Wetterverschlechterung ein. Wenn Engel reisen….

Fazit: Ein rundum gelunges Wochenende bei guter Organisation von der Alpinschule. Auch und insbesonders aufgrund der beiden Bergführer Stephan und Rolf, die einen prächtigen Job in den zwei Tagen gemacht haben. Die Ausbildungsinhalte waren gut abgestimmt und die Verteilung von Theorie und praktischen Übungen waren genau richtig. Wir können jedem so ein Sicherheitswochenende nur empfehlen. Für den nächsten Winter haben wir den viertägen Aufbaukurs an der Schwarzwasserhütte ins Auge gefasst.
Abends waren wir dann noch kurz zum Essen fassen in Oberstdorf und vorher haben wir uns noch die örtliche Kletterhalle angeschaut. Und „zufälligerweise“ lagen noch zwei Traditionals auf dem Weg:

Iller – Ursprung
Unser Border – Die Werkstatt –

Und die nächsten Tage gibt es dann ein kleines Lawinen-Special auf diesem Kanal.

Bergschule Ober-Allgäu
Ortovox Sicherheitswochende
DSP Pieps
Hörnertour
Bilder vom ganzen Wochenende