Montagsgedanken: Caching LDK Anno 2006 – heute

Beim Schreiben meiner letzten Montagsgedanken habe ich mir eine Weile überlegt, wie sich das Geocaching bei uns im Lahn-Dill-Bergland aka Lahn-Dill-Kreis (LDK) entwickelt hat.

Wir wohnen erst seit 2 Jahren hier. Aber die Schwiegerleute leben in der Nähe und daher sind wir schon früher öfters in der Gegend gewesen. Mit dem Cachen haben wir Anfang 2004 angefangen; Anfang 2009 hatten wir 5-jährigen GC-Geburtstag.

Exkurs 1: Scheiße werde ich alt. Mittlerweile habe ich schon Freunde die 50+ sind. Und ich bin gerade dabei meine Halbwertszeit zu überschreiten. Nehme mir gerade vor mehr T5 Caches zu machen und öfter in den Urlaub zu fahren – bevor ich den Rollator zwingend brauche.

Exkurs 2: Wir wohnen jetzt übrigens in einem kleinen Ort im Wald. Der ist so klein, dass es ausser den 3 Ortsschilder kaum Straßenschilder gibt. Ich bin froh, dass es GPS gibt. Sonst würde uns keiner finden.

Egal, jedenfalls gab es in den ersten Jahren hier in der Gegend nur einen Cache im Umkreis von 20km („Hunds Kueppel“ GCGAGK). Dieser ist mittlerweile archiviert und ich habe dort einen neuen „Offroad-Cache“ platziert.

Jedesmal wenn wir zu den Schwiegerleuten gefahren sind, habe ich nach neuen Caches geschaut. Gab aber keine. Irgendwann in 2006 (kurz vor unserem Umzug) ist dann Bewegung in die Sache gekommen. Es gab weitere Caches, und mehr Caches …

Dann auf einmal ist es passiert. Analog der allgemeinen Entwicklung in DE ist dann die richtige Cache-Explosion in 2008 eingetreten. Das hat mich teilweise sehr gefreut, waren tolle Dinger dabei. Schöne Nachtcaches, Klettercaches und einige tolle Tradis und Multis.

Und auf einmal gab es „sie“: Die Spezies „Petlingschleuder“ mit ihren Kompass-Caches, öden Abzählmultis, vermuggelte Stadtcaches, Piss-Ecken-Caches, die Kreiselcaches, Gotteshäuser und natürlich die Mystery Explosion.

Die Petlingschleuder: Wild gewordene Cacher, die ihre Caches wie mit der Kartoffelschleuder an alle passenden und unpassenden Locations ballern.

Kompass-Caches: Jeder Ort in der Umgebung wurde mit einem Nord-Süd-Ost-West Cache und korrespondierenden Bonus in der Stadtmitte versehen. Wichtig dabei: Die Bonuskoordinaten sollen nur mit einem wissenschaftlichen Rechner zu ermitteln sein.

Abzählmultis: Wenn es unklug ist an einer Location einen Behälter mit Coords zu platzieren, ist eine Abzählerei absolut ok. Nach der 18. Station mit Schildern und Zaunlatten setzt aber eine gewisse Müdigkeit ein.

Stadtcaches: Die Herausforderung besteht darin unbeobachtet an den Cache zu kommen ohne dass Polizei, der Staatsschutz oder das Bombenkommando anrückt. Und glaubt mir: ich weiss wovon ich spreche.

Piss-Ecken: Manche haben ein untrügliches Gespür dafür die versiffteste Location im Umkreis von 161m zu finden.

Kreisel-Caches: Guckst Du hier

Gotteshäuser: No comment, es ist einfach nicht mehr witzig. Nur traurig.

Mystery-Hardcore: Hatten wir schon letzte Woche:

Nicht zu vergessen die ganzen tollen Cache-Ideen, die ausser dem Owner niemand gut findet und trotz Logs unter 10 Ziffern beharrlich auf Besucher warten. Belehrungsresistenz ist hier eine gewisse Grundeigenschaft. Auch nach unendlichen „Danke“, „+1“ und „schnell gefunden“ Logs.

Hier war vor 2 Jahren noch alles leer. War absolutes GC-Hinterland. Jetzt sieht das anders aus. Toll ist natürlich, dass 3-4 wildgewordene Petlingsschleudern ausreichen um eine Region zu verseuchen. Nennen wir es mal den „Fuzy-Faktor“. Gerade seit 4 Wochen treibt wieder jemand neues hier sein Unwesen. Schnell mal 10 Caches rausgeballert und sich dann beschweren, dass dies als Statistikcacherei „stigmatisiert“ wird. Wenn wunderts?

Lange Zeit war ich kein Freund eines Bewertungssystem. Mit der zunehmenden Zahl an Caches ändere ich meine Meinung, denn mittlerweile wäre ich froh darüber. Ich habe mir angewöhnt bei neuen Caches erstmal 1-2 Wochen zu warten und die Logs zu lesen. Dann weiss ich wann was zu erwarten ist. Toll ist, dass ich es mittlerweile standhaft schaffe nicht jeden Cache machen zu müssen. Früher ging das nicht, aber man wird ja abgehärtet. Man mann sich einfach klar werden, dass Geocacher mittlerweile ein repräsentative Querschnitt durch die Bevölkerung sind. Und findet man jeden Menschen symphatisch und/oder will ihn zum Freund haben. Nein.

Außerdem glaube ich, dass der gemeine Cacher klassisch konditioniert wird wie ein Pawlowscher Hund. Auf die Sicht eines Micro erfolgt direkter Brechreiz als unbedingte Reaktion. Ab einer gewissen Anzahl von gefundenen Caches kann dieser Brechreiz auch durch den neutralen Reiz eines besch… oder gar leeren Cachelistings ausgelöst werden.

Es gibt natürlich auch tolle Micros und auch Orte wo man nur schwer größere Behälter verstecken kann, keine Frage. Wer sich aber keine Mühe mit dem Cache-Ort, dem Listing etc. gibt, wird tendenziell natürlich eher auch einen lieblosen Petling oder einen auch beliebten Urinprobenbehälter (tolle Analogie) verstecken. Viele Tradis erwecken alleine schon durch die Wahl der Cachegröße „Micro“ den Eindruck der Lieblosigkeit. Könnte der Cache mit einem größeren schöneren Behälter aufgewertet werden. Ganz sicher. Aber das wäre ja Arbeit. Lieber ein Micro-Logbuch in einen Petling gestopft. Ist ja so einfach.

Wie will man aber so auch schnell auf Masse bei den versteckten Caches kommen und sich in der Region bekanntmachen. Irgendwie kommt es mir vor als würden persönliche Geocache-Heimatschutzministerien gegründet um den Besitzstand in der Homezone zu wahren. Möge doch kein anderer Geocache in „mein“ Gebiet eindringen (à la: mein Ort – meine Caches). Zitat aus einem örtlichen Cachelisting: „da inzwischen jeder anständige ort einen gotteshäuser cache besitzt – habe ich mir gedacht in XXXXXXX nun auch einen zu legen. vorsicht beim bergen des caches. da der
cache mitten im dorf liegt – gibt es dort auch dementsprechend viele muggles.
“ Hallo!?! Das Zitat ist übrigens Copy&Paste; 😉 und der Ortsname ist unkenntlich gemacht.

Manchmal kann man wirklich zum Misanthropen werden. Da kommt man zu einem Cache wo wieder eine Petlingschleuder ihr Unwerk verrichtet hat. Und man denkt sich: Was hätte man daraus machen können. Eigentlich ganz schön hier. Man hätte …

Aber zum Glück ist nicht alles einer bösen Macht entsprungen. Bei dem tollen Frühlingswetter fahren wir morgen in den Westerwald und werden ein paar schöne Caches machen. Habe tatsächlich welche gefunden. Dann einfach auf der Fahrt nicht nach rechts und links schauen und fertig ist der schöne Geocache-Tag.

Wie sortiert ihr eigentlich den sinnbefreiten Kram aus vor einer Tour? Ich quäle mich durch alle Logs durch und markiere die interessanten Caches in einer eigenen Liste. Um die 1/1 Tradis rauszuwerfen globalgalaktisch rauszuwerfen fehlt mir noch der „Mut“. Da können ja auch durchaus einige Perlen darunter sein. Würde mich sehr interessieren wie ihr da vorgeht!

Alles wird gut! Bis nächsten Montag.