Montagsgedanken: Sind alle Mystery Caches doof?

Gestern habe ich die neuen Caches in der Umgebung durchgeschaut. Da waren sie wieder: Meine lieben Freunde, die Mystery-Caches. Allseits beliebt tritt diese Spezies in den letzten Monaten verstärkt auf. Und das nicht nur in unserer Region. Wenn die Notifications kommen, schau ich mir diese Caches meistens gar nicht mehr an. Irgendwann landen sie dann auf den ersten beiden Seiten meiner To-Do Liste. Dann finden sie erstmalig Beachtung und ich denke wieder: Was für einen Quark ohne Sinn und Verstand wird das nun wieder sein? Irgendwann lande ich in Herborn-Süd mit blauen Fragezeichen auf den Pupillen. Es sind ja nicht alle Mystery’s doof – aber viele! Dumm ist, dass die guten Mystery’s unter den Massen der Quatsch-Rätsel oft unentdeckt bleiben. Wenn wir in eine andere Region fahren, fliegen die Mystery-Caches direkt mit dem PQ raus und schaffen erst gar nicht den Weg in GSAK.

Ich schaue mir also die neusten Ausgaben der „Kreuzworträtsel für Outdoorer“ an und sinke wieder in mich zusammen. Wieder so ein Ding. Ich verstehe Sinn und Zweck von exzessivem Googlen oder Wikipedia-Gewichse einfach nicht. Wird ein Cache dadurch interessanter? Warum soll ich jetzt wieder vor dem PC sitzen und das Geburtsjahr von Karl Arsch herausfinden. Oder mal wieder das Crypt-Tool zum x-Mal durchlaufen lassen. Irgendwie scheint sich die Meinung durchzusetzen, dass ein Cache ohne Rätsel kein Cache mehr ist. Was ist denn mit schönen Old-School Traditionals oder Multis? Die sind doch auch nett. Nur abgesehen von den traditionellen Petling-Schleudern am Straßenrand zur Ortung von Piss-Ecken via GPS oder die Abzähl-Multis durch die frisch gedüngte Wiese oder in der Fußgängerzone.

Unsere lieben Mystery-Freunde unterscheiden sich ja zum Glück / Pech noch in diverse Subspezies:

Beliebt sind insbesonders die Krypto-Caches. Lecker Buchstaben verdrehen, vielleicht ein schöner Standard-Code? Oder doch lieber ein Bilderrätsel oder das allseits beliebte Morsen? Ätzend. Und nicht nur weil es das Crypt-Tool gibt. Man kann es nicht oft genug sagen: Die Luft ist raus und es nervt einfach nur. Ein weitere Spezies sind die „Ich-zeige-Euch-meinen-Ort-und-frage-Euch-Belanglosigkeiten-dieses-Ortes-die-ich-direkt-aus-Wikepedia-kopiert-habe“.Die Luft ist raus und es nervt einfach nur. Auch gut sind die Rätsel-Caches mit Schulwissen 8-Klasse. Das hat jedoch rein gar nichts mit Geocachen zu tun. Die Luft ist raus und es nervt einfach nur. Oder die Mystery-Caches mit Logbedingung. Für den ein oder anderen Klettercache mag das ja sinnhaft sein. Nicht das einer loggt und das Rudel steht unten. Hab ich bei 1-2 Klettercaches von mir auch gemacht. Es gibt genug Geocacher die ihre Schamgrenze bis unter die Erdoberfläche fallen lassen können. Bei manchen Logbedingungen kann man sich nur sagen: Man muss nicht jeden Cache machen. Gott sei Dank werden Geocaches mit Logbedingung bei GC als Mystery gelabelt. Sonst müsste man diese immer aus den Traditionals herauszufiltern. Die Luft ist raus und es nervt einfach nur. Einen habe ich noch: Die Bonus-Caches. Da tut man vielleicht vielen Unrecht, aber wenn der 10. seinen Ort mit 4 oder 8 Traditionals zugemüllt hat und den Bonus in die Ortsmitte legt, kommt man schon ins Grübeln. Und wieso wird man zur Berechnung der Bonus-Koords mit sinnbefreiten Rechnerei bestraft. Einfach Teile der Koordinaten notieren tut es auch. Die Luft ist raus und es nervt einfach nur. Nicht schlecht sind noch die Caches, bei denen man ganz andere Hobbies kennenlernen soll. Und weil es schön ist, wird alles in ein Rätsel gebracht. Oder doch gleich ein Elektronik-Rätsel. Bisserl Software runterladen im Internet ist total toll. Nein, ein Sudoko ist noch viel besser! Oder doch lieber ein mathematisches Rätsel, eine trigonometrische Aufgabe oder gar eine Literatur- oder Kunstaufgabe. Zucker! Das macht dann richtig Spaß. Ironie Off. Die Luft ist raus und es nervt einfach nur.

Nicht falsch verstehen: Ein Mystery muss nicht zwangsläufig schlecht sein. Es gibt wirklich viele gute und innovative Mystery-Caches mit interessanten Ideen (Projekt 81 lässt grüssen). Aber wenn die 47 Nachahmer durch sind, wird es einfach langweilig. Ich denke mir nur immer, dass es bei manchen Geocache sinnvoller wäre mehr Energie und Gehirnschmalz in das Verstecken der Dose zu stecken als in das Listing und das Rätsel. Dumm ist nur, dass sich die Cache dann mit ihren Rätsel immer übertrumpfen müssen. Die Rätsel werden immer toller und am Ende liegt ein Petling oder eine Filmdose im Gebüsch. Hallo!?! Dumm ist auch, dass wohl einige Geocacher denken, dass man unbedingt einen Mystery verstecken muss um hip zu sein. Manchmal drängt sich auch der Gedanke auf, dass der Mystery versteckt wurde um den Reviewer an der Nase herumzuführen (finde ich als Ex-Reviewer übrigens echt scheiße).

Letztes Jahr habe ich bei mir als Gegenpol meinen „Mysteriösen Anti-Mystery“ versteckt. Ist eigentlich ein Multi. Viele haben es noch nicht gemerkt. Die Logzahlen sind niedrig (aktuell 10 Finder). Dafür kriege ich aber pfundweise eMails mit Anfragen zum „Rätsel“. Ich werde sogar direkt nach den Koords gefragt.

Seit der Cacheexplosion im letzten Jahr hat man zun Glück gelernt, dass man nicht jeden Cache machen muss. Und kann auch einfach an Caches vorbeizufahren. Vor 2-3 Jahren noch undenkbar. Aber vielleicht gibt es ja noch Hoffnung und die Selbstheilungskräfte setzen sich durch. Frische neue Ideen, nicht Nachmachen ist gefragt. Und kein Wettrüsten um das dollste Rätsel. Und mit viel Glück gibt es bald wieder „dry and clean“ Geocaches ohne irgendwelchen Ballast.

Alles wird gut! Bis zum nächsten Montag.