Montagsgedanken: Klettercaches archivieren!?!

Ich lese gerne die Logs von Klettercaches und sonstigen T5er. Dafür habe ich zwei Bookmarklisten (siehe Links), worüber ich die Caches verfolge. Auch schaue ich immer mal regelmäßig auf Youtube nach neuem Bildmaterial. Was ich da in letzter Zeit zu lesen/sehen bekomme, spottet jeder Beschreibung. Es ist für mich eigentlich keine Frage des „ob“, sondern des „wann“ bis der Erste sich ernsthaft verletzt oder noch schlimmer. Es hat schon einige Unfälle gegeben, die zum Glück glimpflich bzw. ohne bleibende Schäden abgelaufen sind.

Analog zur 2008er Cache-Explosion hat es auch die Anzahl der Klettercaches und in direkter Folge auch die Anzahl der kletternden Cacher nach oben getrieben.

Anfänglich fand ich das ganz toll. War doch bisher T5-Cacherei mit viel Fahrerei verbunden. Gleichwohl hat mich ein neuer T5er – ganz besonders einer in der Nähe – immer ganz verrückt gemacht und bei der erstbesten Gelegenheit stand ich vor Ort. Erstmals in Grübeln kam ich bei vielen neuen schnöden Abseiler von Brücken und Steinbrüchen, die wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Da hat man sich dann irgendwann mal gedacht: „Ach, diesen Cache mache ich mal bei Gelegenheit“.

Und während so ich über die Monate und Jahre die Logs von T5er Caches verfolge, sitze ich oft kopfschüttelnd vor dem PC. Folgende „Klettereien“ springen einen dabei direkt ins Auge:

Caches zum Klettern ohne Ausrüstung: In der Regel Baumklettercaches in ordentlicher Höhe. Davon habe ich selbst zwei. Bei einem hat es schon „beachtliche“ Lösungsansätze gegeben. Vom Cacher mit Bandscheibenvorfall und „Selbstsicherung“ mit einem Abschleppseil. Wahrscheinlich die schlimmste Form, da die Einstiegshürde niedriger ist und es „jeder“ mal probiert ohne zu wissen was er tut. Ich schreibe dazu in meinen Listings immer: „Tue nichts was Du vorher nicht schon einmal getan hast.“ Persönlich mag ich solche Caches ja sehr gern. Irgendwann letztes Jahr habe ich beschlossen, aber keine mehr zu legen, da die Versuchung von einigen mit zwei linken Beinen einfach zu hoch ist. Ich habe einen kleinen Brückencache. Die Dose liegt unter der Brücke auf den Stahlträgern. Wenn da was passiert, plumpst man nur ins Wasser. Alleine was da einige schon anstellen führt zu Atemstillstand. Und wenn es nur ist weil jemand mit Baumsteigeisen an einem lebenden Baum hoch ist.

Klettern mit Stabru (aka Strickleiter): Das ist jetzt die hippe (sicherungsfreie!?!) Alternative zum „richtigen“ Klettern. Einfach mal auf Youtube schauen. Da wird eine Stabru über einen Ast geworfen und dann hoch geklettert. Das finde ich echt deutlich anstrengender als „richtiges“ Klettern. Aber egal. Die meistens fehlende Sicherung bei diesen Klettermanöver ist in meinen Augen allerdings viel schlimmer. Es werden hier auch ordentlich Höhen von 8-10m erreicht. Das reicht für einen lebenslangen fahrbaren Untersatz. Das ganze wird ordentlich unterschätzt und auch hier quält sich mal einer die Leiter hoch, der besser am Boden bleiben sollte. Nicht falsch verstehen: Ich habe selbst eine Trittleiter und habe auch nichts gegen die Stabru. Oftmals ist sie auch deutlich schneller verbaut als ein Seil. Aber sie verführt einige Cacher dazu Dinge zu tun, die sie lieber bleiben lassen sollten.

Klettern mit Ausrüstung: Also mal einen Klettergurt gekauft, einen Achter und 2-3 Karabiner. 1-2 Bandschlingen darf der freundliche Globiverkäufer auch noch dazu packen. 100€ erschliessen die Kletterwelt. Damit dann zum nächsten TopRope-Kurs in der Kletterhalle gehoppelt. Schöne T5er Welt ich komme! Dumm nur, dass die meisten T5er ganz andere Techniken und Material voraussetzen. Aber da ist ja noch mein Kumpel, der hat es von einem gelernt, der einen kennt …… Redundanz und Hintersicherung. Wieso? Da steht doch 22kn drauf. Seil? Hat auch der Kumpel. Ein ganz schönes Dynamikseil, besonders toll für den Aufstieg am Baum. Allein die Fragestellungen in der Rubrik Klettern im Geoclub treiben mir den Angstschweiß auf die Stirn. Gängige Kletterregeln (z.B. hier von NC666) sind anscheinend was für Sissies. Ich bin platt erstaunt mit welcher Leichtfertigkeit hier manche an die Sache herangehen ohne sich über mögliche Folgen Gedanken zu machen. Akuter Vollpfosten-Alarm.

Ganz besonderes Potential bieten die Bilder vor Klettercaches. Ich verbringe viel Zeit durch die Galerien zu klicken und schaue mir die Methoden an. Vieles gehört in die Rubrik „Nicht zur Nachahmung empfohlen“ oder „Suicide for Dummies“. Seil auf Seil/Schlinge, keine Hintersicherung, Normalkarabiner an den relevanten Sicherungspunkten,.. und so weiter und so fort. Ausgelassene Partnerchecks und falsch geknüpfte Knoten kann man zum Glück auf den Bildern nicht erkennen. Ganz haarsträubend wird es dann beim Aufstieg am Seil, Baumklettercaches oder den berühmten „Cache unter Brücke“-Caches. Pit Schubert und Bernd Strasser würden sofort einen Herzstecker bekommen!

Nachdem mir letzte Woche wieder ein tolles Log mit brillianter Seiltechnik untergekommen ist, bin ich aber schon sehr nachdenklich geworden. Was wäre wenn das bei einem deiner Caches passiert? Die juristischen Themenstellungen möchte ich in diesem Zusammenhang (zumindest teilweise) mal aussen vorlassen. Jeder ist ja schließlich 18 und volljährig. Und Routenerschliesser in Bergen und Klettergartenbetreiber werden auch nicht für Unfälle haftbar gemacht (sofern es sich um Fehler der Kletterer handelt). Allerdings kann man sich auf entspannte Briefwechsel vorbereiten. Jahrelange Rechtsstreitereien bei Kletterunfällen zeugen davon. Das Steinschlag-Urteil aus 2005 ist ein weiteres Indiz. Denn die Folgen von solchen Unfällen sind schwerwiegend und teuer! Bei Kletterunfällen mit Schwerverletzten oder gar Verunglückten ist automatisch die Polizei involviert. Heubach, Hohensteinfelsen, Schriesheim, Hirschel und Starkenburg sind nur einige Beispiele aus der näheren Umgebung und der jüngsten Zeit. Ganz abgesehen davon, dass sich der ein oder andere Cache auf Gelände befindet, wo man rechtlich gesehen nicht mal Fahrradfahren darf. Aber das nur am Rande.

Viel schwerwiegender finde ich für mich persönlich, dass man sich Vorwürfe machen würde wenn doch etwas passiert. Hätte man es vermeiden können? Bist Du dafür verantwortlich? Sollte etwas passieren kann man sich nicht einfach damit beruhigen, dass Fehler (Dummheit?) von Anderen der Auslöser waren. Wenn jemand meint an einem Cache sein Leben leichtfertig aufs Spiel zu setzen, so ist das tragisch. Aber bitte nicht an meinen Caches. Ich werde jetzt alle meine Caches dahingehend anschauen. Ich möchte einfach nicht erleben wenn jemand sich den Hals bricht bei einem meiner Caches. Auf dieses Damoklesschwert kann ich gerne verzichten. Vermutlich werden diejenigen entschäft wo man auch „ohne Ausrüstung“ hinkommt – oder gerade in die Tonne getreten. Und alle neuen Caches? Nun, die werden direkt so angelegt, dass (hoffentlich) nur Cacher diese angehen, die ihr Geschäft verstehen. Nicht 15m im Baum, sondern 40m++ ist jetzt die Devise. In der Hoffnung, dass dann der ein oder andere direkt abgeschreckt wird und erst gar nicht auf dumme Gedanke kommt. Um die Evolutionstheorie nicht am praktischen Beispiel zu erleben, wird einfach die Zielgruppe eingegrenzt. Und wenn ich in den Logs meiner Caches irgendetwas haarsträubendes e
ntdecke, werde ich den Cache vielleicht sogar direkt archivieren.

Ich habe auch kein Problem damit wenn ein Getränkehalter einen meiner Caches loggt. Besser als wenn er vom Baum fällt. Ich habe 1-2 Klettercaches mit Foto am Cache als Logbedingung. Die werde ich jetzt rausnehmen (wegen Wegfall der Logbedingung). Aber dafür wird jetzt folgende Ergänzung in die Cachebeschreibung kommen: „Ich freue mich über ein Foto direkt am Cache. Natürlich ist das keine Logbedingung. Du hast Dir das Logbuch runtertragen lassen oder bist „einfach nur dabei gewesen“? Ich finde es toll, dass Du dafür jemand gefunden hast. Mit Freude werde ich Dich auf dieser Cacheseite in der Liste „Sissies und Getränkehalter“ aufnehmen. Viel Spaß mit Deinem Log und dem Punkt!“ Vielleicht hilft es dem ein oder anderen zur Kenntis, dass ein Online-Log nichts wert ist, wenn man nicht vor Ort „richtig“ geloggt hat. Einfach nur peinlich so etwas.

Mit viel Glück werden die Klettercaches ja vielleicht doch irgendwann mal ausgelagert. Das wäre sicherlich nicht das Schlechteste. Analog wie bei Waymarking dürfte dann die Nachfrage besser kanalisiert werden.

Alles wird gut – hoffentlich! Bis nächsten Montag.

T5 und Climbing Caches Gesucht und gelegt
Remote, Cave, Bunker, Climbing, T5 Caches Der restliche Quatsch wo ich gerne mal reinschaue.