Klettersoap Teil 1: Die Woewarianer im Blaueis

Vor zwei Jahren waren wir zum 4-Tages Kletterkurs auf der Blaueishütte mit der Bergschule Watzmann. Die Blaueishütte ist der lokale Stützpunkt am Hochkalter bei Ramsau (in der Nähe von Berchtesgaden). Vor einigen Wochen gab es übrigens in Bergauf-Bergab auch einen Bericht über das Blaueis.

Nachdem wir immer davon erzählt haben, haben sich die Woewarianer – kletternde Geocacher und bekennende Bergliebhaber – auch dort angemeldet. Gerade frisch zurück von der 4tägigen Ausbildung, haben sie uns ihren Gastblog geschickt. Das war als „Bezahlung“ für den Tipp ausgemacht. Ok, vielmehr war es der Wink mit dem berühmten Zaunpfahl. Jedenfalls haben wir uns sehr darüber gefreut und können nun ihren Gastblog veröffentlichen. Und weil er etwas länger geworden ist, gibt es das ganze in mehreren Teilen. Quasi als Klettersoap berichten sie von ihren Erlebnissen mit dem „Nagl, Hubert“ (So meldet er sich auch am Telefon, nur ohne das Komma).

Nochmal vielen herzlichen Dank an die Woewi’s vom JCC Blog. Und nun übergeben wir an die Woewarianer:

Donnerstag, 23. Juli
Blaueishütte by fair means und neue Fenster für die Blaueishütte

Kurz vor 10 Uhr war es so weit: Wir trafen am Treffpunkt in Ramsau-Hintersee ein und lernten sogleich die weiteren Kursteilnehmer kennen: Einen alleinreisenden Westerwälder, der mit seiner netten Art sofort Anschluss fand und mit uns über die besten Outdoorläden fachsimpelte, einen gut gelaunten oberfränkischen Naturburschen, der aufgrund seiner Erscheinung und seiner Ausrüstung auch als Kursleiter durchgegangen wäre, sowie seine Frau, die diesen Kurs vom ihm zum Geburtstag geschenkt bekommen hatte und sage und schreibe zwei Tage vor Kursbeginn (d. h. einen Tag vor der Abfahrt zu Hause) von ihrem Geburtstagsgeschenk, sprich einem viertägigen Kletterkurs auf einer Berghütte, erfahren hatte. Unser Kursleiter war der Chef der Bergschule Watzmann, der Nagl Hubert, höchstpersönlich, und auf dem Weg zur ca. 900 Meter höher gelegenen Blaueishütte hatte er bereits Gelegenheit, uns etwas über die Berchtesgadener Bergwelt zu erzählen.


Der Weg zur Hütte gestaltete sich nicht ganz so entspannt wie erträumt, denn unsere leise Hoffnung, dass es einen Gepäcktransport per Geländefahrzeug oder Materialseilbahn geben würde, erfüllte sich leider nicht. Stattdessen stapften wir mit unseren voll gepackten und vor allem dekorativ mit Kletterutensilien behängten Mehrtagesrucksäcken bei gefühlten 45 und tatsächlichen 30 °C (plus natürlich!) ins Blaueiskar. Das nennen wir Blaueishütte by fair means!

Immerhin haben wir trotz einer Einkehr auf der Schärtenalm für den Aufstieg eine Stunde weniger gebraucht, als die Markierungsschilder im Tal angegeben hatten. Somit hatten wir uns sozusagen für den weiteren Kurs qualifiziert und konnten wahlweise nach Erbsensuppe, Schnitzel oder Kaiserschmarrn mit der Ausbildung beginnen. Wir übten das Gehen in weglosem Gelände und liefen schräge Kalksteinplatten entlang. Dabei kam schon das Gefühl „Yes, we can!“ oder „Ich bin Spiderman“ auf. Eine Einführung in Material und Knotenkunde rundete den ersten Kurstag ab. Relativ praktisch war, dass niemand so ganz ohne eigenes Material gekommen war, jeder trotz völlig unterschiedlicher Kenntnisse nicht nur seinen Klettergurt unfallfrei anlegen konnte, sondern zumindest schon einmal irgendwo geklettert war.

Nach dem leckeren Abendessen hatten wir dann ein Erlebnis der anderen Art: Am Ende dieses superheißen Tages braute sich wie vermutet ein Gewitter zusammen. Was wir aber nicht unbedingt erwartet hatten, war der Hagelsturm, der über die Blaueishütte hinwegzog. Und am allerwenigsten hatte damit wohl der Oberfranke in unserem Team gerechnet, der während seiner wohlverdienten Dusche das einmalige Schauspiel erleben durfte, wie Hagelkörner in Hühnereiergröße eine Fensterscheibe zerschlugen und dann abwechselnd Eis und Glasscherben in die Duschwanne schossen. Zum Glück hat er alles unverletzt überstanden, und so blieb die Frage, wie wohl unsere Autos im Tal aussehen mögen (dazu später mehr).

… wie es weitergeht, erfährt man dann morgen in Teil 2 unserer Klettersoap!