Montagsgedanken: Tatzenwahnsinn – zweite Runde

Manchmal werden die Themen für ein Blog wirklich auf dem Silbertablett serviert. Und manchmal machen Sachen einen auch richtig sauer. So geschehen beim aktuellen Abmahn-Wahnsinn von Jack Wolfskin.

Über das Wochenende wurde das Thema vom Werbeblogger aufgegriffen. Jack Wolfskin hatte Anbieter von Internet-Shops beim Online-Hoster DaWanda wegen Markenrechtsverletztzungen kostenpflichtig abgemahnt. Dabei handelt es sich nur um strickende Hausfrauen, die Stricksachen mit Tatzenlogos feilboten und Hobbybastler. Die Details und aktuelle Updates findet man beim Werbeblogger.

Nach dieser Veröffentlichung schwappte eine Welle der Empörung durch die Blog– und Twitterwelt. Die Google-Suche nach „Jack Wolfskin“ offenbart schon das ganze PR-Desaster. Nicht nur, dass die Seiten vom Werbeblogger vom Traffic am Wochenende lahmgelegt wurden, auch Spiegel Online berichtete mittlerweile über das Thema: „Die Großen gegen die Kleinen„. Der Form halber wurde alles auch bei Wikipedia verlinkt. Und das passende T-Shirt gibt es mittlerweile auch.

Und was machen die Tatzen-Typen? Veröffentlichen eine Stellungnahme, die die Web 2.0 Welt erst recht empören dürfte. Als hätte Jako nicht schon vorgemacht wie es nicht geht. Nachdem ich diese „Stellungnahme“ gelesen haben, wurde ich erst recht sauer. Man kann nur hoffen, dass es JW ganz, ganz ordentlich das Weihnachstgeschäft verhagelt. Man hat zwar eine gute Marketingabteilung, aber die PR-Abteilung besteht wohl nur aus Praktikanten, deren Vater ein guter Anwalt für Markenrecht ist. Anders kann man sich die dilletantische Vorgehensweise zumindest nicht erklären. Weder „Draussen zu Hause“ noch in der neuen Twitterwelt kann man da nur sagen.

Mit guten Marketing hat JW ganze Großstädte mit Jack-Wolfskin-Presslingen gefüllt und ganze Berggipfel mit urbanen Halbschuhtouristen vollgestopft. Nicht das beste Image, aber auf jeden Fall ein Image das Geld bringt.

Gegen die TAZ kann man sich austoben, aber hier geht man einen Schritt zu weit. Die Stellungnahme zeigt, dass man den „Schuss noch nicht gehört hat“. Ich habe mir schon eine Weile – aus anderen Gründen – nichts mehr von JW gekauft und werde das jetzt garantiert erst recht nicht tun. Ich hoffe ausserdem, dass viele „Endverbraucher“ ebenso handeln werden. Hoffentlich hört dann dieser „Abwahnsinn“ gegen Privatleute und Kleinstunternehmer endlich auf und die Anwälte müssen auf „ehrliche“ Art ihr Geld verdienen. Bei diesen Aussichten kauft man doch gerne bei TNF, Mammut und Co. Oder wir machen eine Facebook-Gruppe „AntiTatzen-Geocacher“ auf.

Alles wird gut! Bis nächsten Montag.

P.S.: Jetzt gehe ich die Katze vom Nachbarn erschiessen und hole mit dann in Idstein am Jack Wolfskin Kreisel 1 meine Erfolgsprämie ab. Die verstösst nämlich 4-fach gegen das Markenrecht von JW. Und dann überreiche ich noch noch einen Tipp gegen die örtliche Tierpension. Die haben nämlich auch eine Tatze im Logo. Dann kann ich doppelt Kasse machen. [Ironie OFF]

Kleiner Nachtrag:
Jetzt haben es die Tatzen auf Platz 1 der Twitter-Trends geschafft. Schlechte PR: 991 Euro. Gute PR – unbezahlbar.