Käsch & Kraxel am Hindelanger Klettersteig

[Gastbeitrag von Wüstenmaus]

Irgendwie wird Urlaub nehmen, zumindest über mehrere Wochen im Sommer,  immer schwieriger. Also haben wir das Projekt „2 Wochen Urlaub am Stück“ kurzerhand auf Herbst vertagt und sind im Juli nur ein langes Wochenende mit dem Zelt nach Oberstdorf gefahren. Das Wetterfenster schien zumindest für den Freitag (wichtig: Wochentag!!!) offen zu sein. Samstag oder Sonntag hingegen, während der Schulferien, bei schönem Wetter, da bringt man besser Biwakzeugs mit, da es dann etwas länger dauern kann…

Der Hindelanger stand schon länger auf der Liste (selbige ist übrigens seeehr lang). Wir haben es tatsächlich geschafft, am Freitagmorgen bei Kaiserwetter die erste Bahn zu erwischen. Oben angekommen waren schon etliche KS-Geher mit dem Anlegen des Rüstzeugs beschäftigt- die hatten wohl auf dem Probsthaus übernachtet?  Na ja dass man hier bei dem Wetter auch an einem Wochentag nicht alleine ist war uns schon klar. Also erst mal schnell zum Gipfelcache (Gipfel-Nano – GC1FRGX, D1,5,T2) am Nebelhorn. Ein Gipfelfoto war dank einer sich über drei Gipfel unterhaltenden (wie das mit den Landsleuten halt meistens so ist) US-Schülertruppe nicht möglich. Jetzt aber los zum Einstieg.

Der Cache (Unser Allgaeu – a bizzle me zom progle,  Gc16AN7, D2,T4,5) war fix gefunden. Sehr schön. Dort gab es dann auch nach dem schmalen schnellen Frühstück eine Brotzeit. Übrigens, Brotzeit->Dose<-Cache, tolle Tarnung. Weiter ging‘s bis über den östlichen Wengenkopf. Nach dem ersten Ausstieg wurde es schon wesentlich dünner mit den Besuchern, und hinter dem östlichen Wengenkopf kreuzte sich unser Weg eigentlich nur noch mit einem einzigen KS- Geher (ich tippe auf Elbsandsteinkletterer), der wieder über den Grat zurückging, weil ihm der Ausstieg nicht gefiel. Eine Alternative wäre natürlich den KS einfach verkehrt rum aka rückwärts zu machen. Dann ist der Start etwas mühseliger und man hat nicht direkt Felskontakt, dafür ist wesentlich weniger los.

Was soll ich sagen. Das Wetter und die Fernsicht waren sensationell. Der Klettersteig ist nicht umsonst ein Klassiker. Ein natürlicher Gratweg, der verhältnismässig wenig abgesichert ist. Über weite Strecken kann man gehen bzw. muss hier und da nur mal die Hände zu Hilfe nehmen. Die vorhandenen Sicherungen sind sinnvoll und manchmal auch ganz cool- so eine lange Leiter hab ich glaube ich noch nicht gesehen!

Ob der aufziehenden Wolken, meiner nachlassenden Kraft und nicht zuletzt die letzte Bahn im Sinn, beschlossen wir den Ausstieg vor dem grossen Daumen zu nehmen. Der sächsische Kletterer sollte Recht behalten – das war schon sehr geröllig und eher abklettern als absteigen.

Also merke: nächstes Mal vorher mehr für die Kondition tun und dann entweder ganz rüber und nach Hindelang absteigen oder wieder über den Grat zurück bis zum zweiten Ausstieg- wahrscheinlich wären wir da auch nicht langsamer gewesen! Ich war überrascht wie sehr ich mit  der Luft gekämpft habe. Nun ja, wir haben ja auch mal eben 1500 Hm mit der Bahn „gemacht“ und waren am Vortag erst angereist. Der 4000er war auch nicht schlimmer (aber Erinnerung ist ja bekanntlich sehr subjektiv- und selektiv). Dafür hatte ich mir doch extra das Rauchen abgewöhnt!!! Komisch irgendwie nur dass JeeperMTJ immer noch raucht und trotzdem wie eine Gämse über den Grat gerannt ist. Das ist ungerecht!

JeeperMTJ hat auf dem Rückweg zur Mittelstation noch einen Abstecher zum örtlichen Lost Place Cache (O’stdorfs höchster LP – GC27A0K, D2, T3,5) gemacht, aber ich zog es dann doch vor, verhältnismässig gemütlich zur Station zu traben, die extragrosse Schorle und den sensationellen Blick auf den Ifen  fest vor Augen- bin ja schliesslich nicht auf der Flucht! Die Kletterwand mit dem künstlichen Klettersteig an der Mittelstation habe ich dann mal ausgelassen.

Es war ein toller Tag. Kaiserwetter, ein paar Caches auf dem Weg und endlich den Klettersteigklassiker erlebt, der das Attribut zu Recht trägt. An dem Tag hat einfach alles gestimmt. Ein tolles Erlebnis, das wir bestimmt nicht vergessen werden- für uns Flachlandtiroler ergibt sich die Gelegenheit ja nicht jedes Wochenende.

Zwei Tage und ein Unwetter später ging‘s dann noch zum Salewa-Klettersteig am Iseler. Da gab‘s dann zwar keine Atem-, dafür aber ganz andere Schwierigkeiten zu überwinden. Bericht folgt! Und wer sich bis dahin ein paar Bilder von unserer Tour ansehen möchte, dem sei hier geholfen.

Facts und Figures Hindelanger Klettersteig

Schwierigkeit: B/C, lange Gratüberschreitung mit einigen ungesicherten Passagen hoch über Oberstdorf…

Dauer der Tour: 6-7 Std., 3 Notausstiege

Gipfel: Wengenköpfe, Großer Daumen

Links:

Via-Ferrata.de

Klettersteig.de

GPSies

Picasa-Album von der Tour

Unterwegs am Hindelanger Klettersteig – Bericht von bergauf-bergab

Oberstdorf.de

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