Garda Ferrata 1-2-3: Bedostes Eisen im Dreierpack

Unser Vorhaben, erst im Frühjahr 2011 wieder an den Gardasee zu fahren, haben wir letzten Monat über den Haufen geworfen. Wir sind nämlich kurzentschlossen im Oktober nochmal an den Lago gefahren. Und irgendwie landet man am Gardasee immer auf einem Klettersteig. „Zufälle“ gibt es. Nachdem einzelne Geocouch-Cacher des Trierer Geocaching Chapter in der Gestalt von Maacher während des Sommers 3 Klettersteige mit Dosen versorgt hatte, häuften sich dann die „Zufälle“. „Zufällig“ haben wir nämlich alle drei bedosten Klettersteige besucht.

Doppelleiter

Colodri:

Nach einer 8-stündigen Autofahrt genau das Richtige um sich die Beine zu vertreten. Wir sind direkt vom Hotel rübergelaufen. Auf dem Zustieg haben wir noch die Boulder im örtlichen Klettergarten begutachtet und das Programm für die nächsten Tage fixiert. Auch so ein Zufall, daß das Hotel direkt unter dem Colodri mitten im Klettergebiet liegt.

Am Einstieg waren die Warntafeln verschwunden (und ich habe nicht wie im Frühjahr einfach die Augen zugemacht, isch schwör). So konnte ich frei und unbeschwert auf den Klettersteig hoppeln. Die wüste Maus hat am Einstieg sich gemütlich niedergelassen, weil sie nach der langen Autofahrt nicht auf den Klettersteig wollte. Um die wüste Maus nicht zu lange warten zu lassen, bin ich dann direkt durchgestartet. In 11 Minuten war ich am Cache. Dort musste zunächst das Spoilerbild zu Hilfe nehmen. Um an die angezeigten Koordinaten zu kommen, hätte es eines Basejump mit Wingsuit bedurft.

Nach dem Log ging es an den Gipfel des Colodri zum markanten Gipfelkreuz – mit LED-Beleuchtung für die Nächte. Dort liegen auch noch zwei Caches, aber die hatten wir schon im Frühjahr abgehakt. Deshalb ging es direkt wieder runter über den Klettersteig. Hier geriet ich dann in einen „Stau“ verursacht durch eine Familie mit zwei kleinen Kindern. Ob und wie diese wieder im Dunkeln unten angekommen ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Nach 35min war ich wieder unten am Einstieg. Zugegebenermaßen einigermaßen geschwitzt.

Noch eine Leiter

Via dell’Amicizia:

Was für eine g…. Ferrata. Die Leitern sind einfach unglaublich. Wir hatten unser Auto in Riva geparkt und sind von dort zum Einstieg gelaufen. Auf dem Weg haben wir noch weitere Caches gefunden: Il Bastione und C&C Santa Barbara. Das Wetter war einfach brilliant: Keine Wolke am Himmel und milde, sonnige Temperaturen. Außerdem waren kaum Leute am Klettersteig. Ansichts der vielen langen Leitern ein durchaus angenehmer Umstand.

Um an die Leitern zu kommen, ist aber zunächst mehr gehen als klettern angesagt. Die Ausblicke dabei auf Riva, das Sarca Tal und den Gardasee sind dafür umso genialer. Bei der ersten Leiter handelt es sich um eine Doppelleiter mit „Stand“ in der Mitte. Von dort ging es zu den Leitern mit dem Cache. Hier mussten wir 4 KS’ler vorbeiziehen lassen, um ungestört nach dem Geocache suchen zu können. Dieser war fix gefunden und schon ging es weiter zur letzten Leiterpassage.

Diese Leiter schlägt alles. Sie ist ca. 40m lang und ist definitiv die längste Leiter, die wir je geklettert sind. Schon kurz darauf waren wir am Gipfel mit dem eigenwilligen „Gipfelkreuz“. Hier gab es eine kurze Pause, das Gipfelphoto und wir genossen die Ausblicke auf den Lago, über einen Kilometer unter uns. Den Gipfelfelsen verliessen wir über eine kurze gesicherte Passage auf der Rückseite und auf einer Bergwacht-Heliport wurde dann schon das Klettergeraffel in die Rucksäcke verstaut. „Heliport“ ist dabei etwas übertrieben. Es handelt sich um ein planiertes Stück Stein von ca. 5x5m Länge. Ab Windstärke 4 landet dort nur die Air Zermatt.

Der 1200hm Rückweg ist dann etwas beschwerlicher. Auf einem schmalen und teilweise recht steilen Steig mit kindskopfgroßen Steinen ging es in unzähligen Tornanti aka Kehren in gefühlt 24h wieder zum See zurück. Ich empfehle dringend den Abstieg über Cima Capi und dann über den Klettersteig „Sentiero Fausto Susatti“ hinab zurück nach Riva. Das dauert ca. länger, ist aber absolut knieschonender.

Querung am Monte Albano

Monte Albano – Mori Klettersteig:

Nachdem wir den Beginners und Advanced Level absolviert hatten, ging es dann zum Expert Level am Mori. Und das ist nun wirklich mal eine Via Ferrata, definitiv einer der schwierigsten Klettersteige, die ich bisher gemacht habe. Meine BesteFrauvonganzegroßeWelt hatte ich ein wenig bequatschen müssen, nachdem sie die Führerliteratur gelesen hatte. Mit Erfolg, gleichwohl war ich in den 2 Tagen danach von jeglichem Mitspracherecht bei der Tourenplanung entbunden. Das war jetzt aber kein Zufall.

Das Wetter war ein wenig wolkig, aber mehrere Wetterberichte behaupten einstimmig, dass es nicht regnen sollte. Also ging es dann nach einem ausgiebigen Frühstück nach Mori. Den Klettersteig kann man nicht verfehlen. Die Beschilderung ist ähnlich gut wie jene nach Frankfurt auf der A5 von Kassel. Der Einstieg liegt hinter einem kleinen, aber feinen Bouldergebiet am Füsse des Monte Albano an der örtlichen Wallfahrtskirche. Sogar eine sehr ordentliche Toilette gibt es vor Ort. Ein Besuch kann sich aus den unterschiedlichsten Gründen lohnen. Ein „großes Geschäft“ ist während der Begehung fast unmöglich. Versuche dazu wurden mit ziemlicher Sicherheit in Treffern auf Bergziegen oder anderen Begehern enden. Aber das nur am Rande.

Am Einstieg wird einem sofort klar wofür dieser Klettersteig steht: eine polierte populäre Sport-Ferrata der Güteklasse „E“. Bis ich den „geheimen“ Griff entdeckte war ich für einige Sekunden etwas ratlos. Nach den ersten 40m gibt es einen Notausstieg. Wer hier schon Probleme hatte, sollte dringend diese Chickenroute nehmen. Es wird nämlich nicht besser – im Gegenteil. Der Klettersteig ist geprägt von spektakulären Querungen und langen vertikalen Eisenaufstiegen. Obwohl es nicht sonderlich warm war, haben wir schon gut geschwitzt. Im Sommer möchte  ich diese Ferrata nicht unbedingt machen.

Die wüste Maus kämpfte dabei wie Sylvester Stallone in „Over the Top“. But a tough girl gets going when the going gets tough. Es gab von ihr emotionale Flüche gegenüber mir und dem Cacherkollegen Maacher. 😉 Nach dem ersten vertikalen Aufstieg beschloss ich dann sie in diesen Passagen zu sichern. Ich habe in „C“ oder höher bewerteten Klettersteigen immer ein 20m Seil dabei, was wir diesmal zum ersten Mal benutzen. Sie hatte den „E“ bewerteten Steig zwar gut im Griff, aber nichtsdestotrotz: sicher ist sicher. Ein Sturz hatte auf den polierten Griffen und Tritten i.d.R. einen Abflug von mind. 5m oder vorbei an Eisenstiften zur Folge.  Durch das Sichern dauerte dann der zweite Teil etwas länger.

Am Cache angekommen, gab es dann eine kleine Rast und wir schauten ein wenig Richtung Mori. Kurz nach dem Cache stösst man dann auf das Wandbuch und den letzten final Aufstieg. Ca. 60-80m vertikal nach oben. Da kommt keine Langweile auf. Der Abstieg erfolgt dann auf einem kleinen Wanderweg oder dem Abstiegsklettersteig. Wir – oder besser Wüstenmaus – entschieden uns für den Wanderweg.

Schöne Serie, die uns viel Spaß bereitet hat und in 2-3 Tagen gemütlich zu absolvieren ist. Der Mori ist dabei nicht zu unterschätzen und definitiv nur bei trockenen Verhältnissen zu begehen. Jetzt hoffen wir auf die Erweiterung und das nächste Frühjahr (–> Wink mit dem Zaunpfahl).

Weitere Informationen zu Klettersteigen, empfehlenswerten Geocaches und sonstige Informationen zum Gardasee, findet Ihr in diesem Post. Alle restlichen Bilder gibt es auf Picasa in unserem Gardasee-Album.

Übersicht über die Klettersteige:


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Sentiero dei Colodri auf Klettersteig.de

Via dell´Amicizia auf Klettersteig.de

Rientro attrezzato Monte Albano auf Klettersteig.de