Klettersteige rund um Cortina d’Ampezzo 3/4

[Gastbeitrag von den Woewarianern (Jutta/Andreas), Teil 3 von 4]

Klettersteige rund um Cortina d’Ampezzo Juli/August 2010

Via Verrata Strobel (Albino Michielli)

Oh ja, wir hatten Blut geleckt. Wetterbedingt machten wir zwar nach unserem zweiten Klettersteig, der Via Ferrata della Piramide, eine zweitägige Klettersteigpause, die wir mit einem FTF in Osttirol und einer Wanderung ins Vallorera in Südtirol verbrachten. Doch dann war es so weit: Die Tour über die Via Ferrata Strobel nördlich von Cortina d‘Ampezzo stand an. Der Klettersteig ist benannt nach dem 1964 verunglückten Bergführer und Erstbegeher einiger Dolomitenpfeiler Albino Michielli (vulgo Strobel) und führt auf die alpinistisch vermutlich eher unbedeutende Punta Fiames (2240 m). Wie wir später tatsächlich feststellen konnten, hat bisher tatsächlich niemand der Punta Fiames ein stilechtes Gipfelkreuz spendiert, doch da bei dieser Tour buchstäblich der Weg das Ziel sein sollte, war uns das relativ egal.

Was uns allerdings nicht ganz egal war, das war das Resultat unseres Studiums der einschlägigen Klettersteigführer bei der Tourenvorbereitung:

Zitat Eugen E. Hüsler: Schwierigkeit K3

„Genussklettersteig mittlerer Schwierigkeit, wobei die gesicherten Steilpassagen immer wieder von längeren Gehstrecken (Latschenbänder, Schrofen) unterbrochen werden.“

Zitat Mark Zahel: Schwierigkeit fast schon K5

„Der Klettersteig zur Punta Fiames verläuft im Wechsel zwischen ziemlich schwierigen, ausgesetzten Steilabschnitten und leichterem Gehgelände durch Latschen; eher schon für anspruchsvolle Ferrastiti mit einiger Erfahrung (entsprechende Ausrüstung obligatorisch).“

Ah ja. Genussklettersteig versus anspruchsvoll, K3 oder K5? Nun gut, durch die Galitzenklamm und die Via Ferrata della Piramide fühlten wir uns doch halbwegs für diese Unternehmung gestählt, und so zogen wir frohgemut los. Bereits der Zustieg zum Klettersteig, den selbst Hüsler als „etwas mühsam“ beschreibt, war erstaunlich locker und deutlich schneller als in den angegebenen 90 Minuten zu schaffen.

Doch dann? Was war DAS??? Während wir im Zustieg so gut wie keine Menschenseele gesehen hatten, tummelten sich Dutzende von kleinen Gruppen vor der Felswand: junge, drahtige Kletterer, die sich in Rekordzeit in Schale (äh, in ihre Ausrüstung) warfen und sogleich wieder dem Gipfel entgegeneilten, aber auch Familien, die erst einmal eine Brotzeit machten, aber erkennbar ebenfalls den Klettersteig begehen wollten. Wir befürchteten schon, aufgrund der Menschenmenge wie im Rathaus irgendwo eine Nummer ziehen zu müssen, bis wir lossteigen können, oder alternativ in ein Kuddelmuddel aus schnellen und langsamen Kletterern zu geraten. Doch wir hatten Glück und schafften es irgendwie, uns hinter den Tiroler Bergfexen, aber noch vor den Familien einzusortieren, so dass wir im knapp zweistündigen Aufstieg auf die Punta Fiames überhaupt nur zwei Gruppen trafen: eine Familie mit – nun ja – suboptimaler Ausrüstung, die wir danach den ganzen Tag nicht mehr gesehen haben. Hoffen wir einmal, dass sie aus dieser Unternehmung wieder heil herausgekommen sind! Ansonsten trafen wir noch ein Pärchen, das uns kurz nach einer Rast überholte. Ansonsten hatten wir den Steig für uns, und das ist in den Dolomiten nicht selbstverständlich.

Relativ schnell wurde deutlich, dass der Steig eher K3 und ein Genussklettersteig ist, und so genossen wir den Aufstieg, bei dem man ab und zu tatsächlich etwas fester zupacken musste, ansonsten aber doch relativ entspannt klettern konnte. Im Laufe des Morgens kletterten wir auch immer weiter aus dem Schatten der Felsen in die strahlende Sonne, und die Laune stieg immer weiter. Auf einer Felsenkanzel hatte man einen schönen Blick Richtung Cortina, so dass wir dort erst einmal eine kleine Pause einlegten, und das bloße Drahtseilgehen wurde auch durch einen Kamin und eine Leiter etwas aufgepeppt.

Als einzigen Abstrich kann man vielleicht die/das Latschen anführen, denn „Latschen“ kann man hier gleich doppeldeutig verstehen. Das Gelände lässt, wie Hüsler richtigerweise vermerkt, keinen durchgehenden Klettersteig zu, so dass der eigentliche Steig immer wieder durch „Latschen in den Latschen“ unterbrochen wird. Doch auch wenn der Klettersteig-Anteil höher sein könnte, so war es doch eine unterhaltsame Tour auf die Punta Fiames. Und falls wir noch einmal kommen, bringen wir ihr auch das Gipfelkreuz mit, das ihr eigentlich zusteht.

Ebenso wie bei den beiden ersten Klettersteigen dieses Urlaubs führt auch bei der Via Ferrata Strobel der Abstieg nicht zurück über den Klettersteig ins Tal. Stattdessen wandert man vom eigentlichen Aufstiegsweg weg in eine Senke, in der man dann eine Geröllabfahrt hinlegen kann. Gut, unsere Schuhe sahen danach etwas anders als vorher aus, aber Spaß gemacht hat es uns auf jeden Fall! Allerdings führte uns der Schuttstrom leider nur nach unten, aber nicht Richtung Bergsteigermobil. Deswegen folgte dann am Ende der Tour die Fleißarbeit: Noch einmal latschen, latschen, latschen, inzwischen aber durch richtigen Bergwald. Der war zwar eigentlich ganz idyllisch, aber die tollen Ausblicke, wie man sie in den Dolomiten sonst kennt, fehlten an dieser Stelle.

Ein kleiner Hingucker auf dem Rückweg war dann aber noch ein verlassener Bahnhof an der ehemaligen Bahntrasse von Toblach nach Cortina (bzw. Calalzo), welche heute ein (ziemlich bequemer) Radweg ist. Die Befahrung dieses Dolomitenradwegs (ciclabile delle Dololmiti) wäre sicher eine lohnenswerte Unternehmung für einen zukünftigen Urlaub, zumal es am Cimabanche-Pass zwischen Toblach und Cortina einen Fahrradverleih und ein Radshuttle für den Rückweg gibt!

Insgesamt war die Via Ferrata Strobel aber eine absolut lohnenswerte und insgesamt doch sehr abwechslungsreiche Tour, auch wenn man sich vielleicht nicht immer wie in den Dolomiten fühlte. Und da die Wettervorhersage gut und unser Klettersteighunger noch nicht gestillt war, verlängerten wir unseren Urlaub um einen Tag und hängten spontan noch eine vierte Klettersteigtour an.

to be continued…

Via Ferrata Strobel auf Bergsteigen.at

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