„Hoch vom Dachstein an…“

„Zufälligerweise“ waren wir in unserer zweiten Urlaubswoche in der Nähe von Ramsau gelandet. Und zufällig war am nächsten Tag auch Sonne pur angesagt. Und zufällig steht da auch ein 2995m hoher Berg mit Geocache. Da müssen wir hoch (… „weil er da ist“). Es ist der Dachstein. Und „zufälligerweise“ waren auch die Woewarianer dabei. Immer diese „Zufälle“. Zwickst me!

Aufgrund der einwöchigen Akklimatisierung in Briançon machten wir uns mit dem direkten Aufstieg am nächsten Tag keine Sorgen. Morgens haben wir leider etwas gebummelt. Das rächte sich in Form einer etwas längeren Schlange an der Dachsteinbahn. Es muss ja nicht das Sonnenaufgangs-Frühstück um 4 oder 5 Uhr sein, aber eine der ersten Bahnen erwischt man schon besser. Sonst kommen die Halbschuhtouristen in Chucks und T-Shirts und belagern alles. Frage mich was die oben alle machen, weit kommen die sowieso nicht. Alternativ kann man auch am Vortag zur Dachstein-Südwandhütte laufen und dann per pedes hoch zum Dachstein (oder via Adamek-Hütte). Diese Varianten scheiterten bei uns an dem kleinen Wetterfenster.

Oben bei der Bergstation kriegt man den Mund nicht mehr zu. Was da rumläuft spottet aller Beschreibung. Ein Kirmeszelt um 1 Uhr nachts ist eine geordnete Veranstaltung dagegen. Sobald man aber die Ratracspur verlässt, sind die Touristenhorden Vergangenheit. Nur zum Spaß würde ich gerne hier mal einen Wetterumschwung mit Starkregen und Hagel erleben. Unabhängig davon war am Dachstein die Sonne hart bei der Arbeit. Der Sulz war stellenweise fast knietief und das Wasser plätscherte vor sich hin.

Unser Ziel war der Hohe Dachstein von Osten via Schulteranstieg und Abstieg über die Randkluft. Beide Routen sind mit Stahlseil (fast) durchgängig versichert. Die Randkluftsteig endet in einem ca. 35-40° steilen Firnhang, den es abzusteigen gilt. Die eigentliche Randkluft bzw. eine größere Spalte in der Mitte sind hier Hindernisse, denen man die notwendige Vorsicht widmen sollte.

Von der Bergstation Hunerkogel ging es zunächst über den Touristenweg zur Seethalerhütte (aka „Dachsteinwarte“). Dort erkundigte ich mich nach dem Zustand der Randkluft bzw. den Resten der (hoffentlich vorhandenen) Schneebrücke. Ich bin ein sehr schlechter Springer. 😉 Den Hüttenwirt kannte ich noch von seinen Ausgrabungen im Winter und meine diesbezüglichen flapsigen Bemerkungen hätten beinahe zu einem Hausverbot geführt. 😉 „Passt schoo“ meinte er. Nicht um noch ein „1-2 Wochen hält’s noch“ hinterher zu schieben. Auf dem Zuweg kann man die Randkluft zwar sehen, aber eine Übungsgruppe des Bundesheeres verwehrte uns den ersten direkten Blick auf die Gletscherspalte. Von der Hütte ging es dann direkt zum Einstieg. Eingekleidet hatten wir uns schon auf der Ratracspur. Der Einstieg ist auf den ersten 10-12 Meter der Schulter „zur Abschreckung“ ohne Seilversicherung, damit nicht die Japaner in Kompaniestärke in Bergnot geraten. Die Kletterei entspricht aber nur 1+/2-, aber fallen sollte man hier nicht. Wer hier Probleme hat, kehrt besser um.

Nun folgt dann einfache Kletterei über die Schulter auf Metallbügeln und Tritten. Hier ist ab und zu der Gegenverkehr zu beachten, da einige Kletterer nicht über die Randkluft absteigen. Schön ist, dass man das Seil nicht zum Klettern benötigt, sondern es lediglich zur Sicherung dient. Über das „Mecklenburger Band“ gelangt man dann zum Randkluftsteig, der sich mit dem Schulteranstieg vereinigt. Von hier geht es dann in ca. 1/2h auf den Gipfel. Kurz vorher liegt dann der örtliche Geocache aus der „9 Summits Serie“. Von der Dose ist man dann in wenigen Minuten auf dem Gipfel. Mit Erkletterung des Gipfelkreuzes kann man sich dann auf über 3000m schummeln.

Der Abstieg erfolgte dann wiederum über den Randkluftsteig. Dank wenig Gegenverkehr waren wir in 15min am Einstieg. Dort haben wir die Steigeisen angelegt und sind zur Spalte runtergestiegen. Die Reste der Schneebrücke hielten noch. Aber rechts und links davon blickt man in wirklich große Löcher. Hat man diese überwunden, ist man in wenigen Minuten wieder an der Ratracspur. Die Skiabfahrt im Winter ging aber deutlich schneller. 😉

Somit war das Missionsziel erfüllt. Es winkte aber noch ein Geocache auf der anderen Seite des Dachstein am Flugsicherungsdreieck. Und es war noch Zeit. Im Laufschritte ging es über die Ratracspur. Immer schön im Sulz, denn die feste Spur war von schnaufenden Halbschuhtouristen belegt. Am letzten Anstieg schnauften wir dann auch. An der Bergstation vorbei ging es dann zum Westgrat Klettersteig (B) des Koppenkarstein. Das Flugsicherungsdreieck war dann in 1/2h erreicht und die Dose konnte erfolgreich geloggt werden. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit sind wir nicht über die Seilbrücke und den Rosmariestollen zurück, sondern wählten den gleichen Weg. „Zufällig“ kamen wir dann direkt unterhalb der Bergstation heraus wo der Hunerkogelsteig (C/D) startet. Allerdings sollte man den Klettersteig nicht mit dem Erdungsseil der Materialseibahn verwechseln. Witzigerweise endet der Steig direkt an der Brüstung der Bergstation kurz vor der Klotür. Wir haben ein paar Amerikaner tüchtig erschreckt. Die Woewarianer suchten / fanden noch den Skywalk Geocache und dann ging es mit der Bahn wieder runter. Die Sekundärziele waren somit auch erreicht.

Der Dachstein ist nun zu 100% entdost. Ein schöner Tag! Jetzt winkt als nächste Ziel der Skywalk-Klettersteig und die komplette Skitour auf den Dachstein.

P.S.: Wer sich über den Titel dieses Post gewundert hat, findet hier die Antwort.

Bilder von unserer Tour (und noch bisserl was mehr)

 

Links:

Klettersteig Topos von Ramsau.com

Klettersteig Karten von Ramsau.com

Topo Bergsteigen.at (PDF)

Geocache 9 Summits Steiermark (D2/T5)

Geocache Flugsicherungsdreieck (D2/T5)