Test Austrialpin Ferrata Bloc – der dritte Arm am Klettersteig

Vorwort:

Wir sind gerne am Berg – am liebsten auf Klettersteigen. So mache ich die meisten Klettersteig-Touren mit dem BESTEMÄDCHENVONGANZEGROßEWEITEWELT. Natürlich passe ich immer gut auf mein Mädchen auf und habe bei höheren Schwierigskeitgraden immer ein 20m Seil für den Fall der Fälle dabei. Das wurde zwar nie gebraucht und trotzdem hatten wir vor einiger Zeit ein „Erlebnis“ – ein unachtsamer Moment hat gereicht. Damit meine Bemutterung zukünftig nicht skurrile Züge annimmt, habe ich nach anderen Möglichkeiten gesucht das Risiko – inbesonders bei längeren Steilpassagen mit herausstehenden Drahtstiften – zu minimieren. Gesagt, getan.

Lest hier den Testbericht von Petra zum Austrialpin Ferrata Bloc:

//Schnipp, ab hier schreibt mein Mädchen//

Vor zwei Jahren hatte ich mal ein etwas unangenehmes Erlebnis an einem Kategorie D/Hüsler Kategorie K5-Klettersteig in Italien. Glücklicherweise ist nichts passiert, es war mir aber eine Lehre. An der Vorbereitung hat es nicht gelegen, ich lerne die Hüsler-Beschreibungen auswendig, bevor ich irgendwo reinkraxele und überlege mir sehr genau, was ich mir zutrauen kann und was nicht. Einfach dumm gelaufen!

Etwa zu derselben Zeit gab es die ersten Berichte über geplante Entwicklungen von zusätzlichen Sicherungsgeräten von Petzl und AustriAlpin. Diese habe ich zwar aufmerksam verfolgt, dachte aber dass mir (und auch dem Coach) die Sache in Italien eine Lehre war. So ergab es sich dann, dass der Coach mir zu Weihnachten den Austrialpin ferrata.bloc (Schreibweise des Herstellers) unter das nicht vorhandene Tännchen gelegt hat.

Bildquelle: Bergfreunde.de

 

Zunächst die Beschreibung von Austrialpin und die technischen Daten:

Der ferrata.bloc läßt sich als „dritter Arm“ mit jedem Klettersteigset kombinieren. Aufwärts läuft er locker am Drahtseil, im Falle eines Sturzes blockiert er an Ort und Stelle. So verhindert der Bremsarm weite Stürze bis zur nächsten Zwischensicherung. Die Markierung „this side up“ zeigt dem Anwender jederzeit, ob der Bremsarm richtig am Drahtseil eingehängt ist. Mit integriertem bandfalldämpfer. Der Ferrata.Bloc ersetzt kein Klettersteigset!

Maße:

  • Länge incl. Bandfalldämpfer 84 cm
  • Empf. Durchmesser: 12 bis 16 mm
  • Gewicht: 309 g bzw. 308 g, die Angaben schwanken 😉
  • Material: gehärteter Stahl, Kunststoff, verzinkt

Bildquelle: Bergfreunde.de

 

6 Monate später konnte ich das Teil dann endlich mal in der Praxis testen. Der kurze, aber fast ausschliesslich senkrechte KS Via Ferrata delle Taccole im Monte Baldo-Massiv sollte die Teststrecke werden. Mir persönlich wäre ja eine Abstiegshilfe für den Zustieg über das Geröllfeld sinnvoller erschienen ;), aber das Leben ist nun mal kein Ponyhof. Der Taccole-Klettersteig ist bei Hüsler als K4 beschrieben. Er ist wesentlich kürzer als mein „Schicksalsklettersteig“, super versichert und wesentlich weniger abgespeckt (weil abgelegen und daher weitaus weniger begangen). Der Klettersteig besteht im Kern aus 3 vertikalen Passagen mit Wandhöhen zwischen 20-40m. Somit das perfekte Testgelände!

Kurz zum Handling: der ferrata.bloc wird wie ein Klettersteigset in die Sicherungsschlaufe des Gurtes eingebunden und oberhalb der Klettersteigsetkarabiner in das Drahtseil eingehängt. Dieses muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen, damit der ferrata.bloc funktioniert: 12 – 16mm Seildurchmesser und gespannt. Ein lockeres, dünneres Drahtseil, wie man es in den Westalpen häufig findet, taugt nix für den Einsatz des Geräts. Ausserdem muss sich der ferrata.bloc immer oberhalb des Kletterers befinden und annähernd gespannt sein. Er muss am Seil mit der silbernen Seite nach oben eingehängt werden. Nur so funktioniert er! Äusserst wichtiges Detail und zusätzliche Komplikation in haarigen Situationen. Wenn der ferrata.bloc nicht benötigt wird, empfehle ich aus der Erfahrung, den Schnapper des ferrata.bloc nicht an einem dünnen Materialgurt, sondern an einem Karabiner am Gurt einzuklinken. Die Konstruktion des Schliessmechanismus am Schnapper führt dazu, daß sich dieser am Materialgurt verfängt. Das Gefummel, das Gerät aus dem Materialgurt zu bekommen, kostet wertvolle Zeit und Kraft. Eingehängt in einen Karabiner kann der ferrata.bloc mit einem Handgriff zum Einsatz gebracht werden.


Bildquelle: Bergfreunde.de

 

Man sollte das Handling in einem KS, den man als unkritisch einstuft, unbedingt testen bevor man sich in schwierigeren Ferrate darauf verlässt. Mir persönlich (und dem Coach ;)) brachte der ferrata.bloc ein zusätzliches Sicherheitsgefühl. Glücklicherweise kam er nicht zu seinem eigentlichen Einsatz. Man sollte seine Kräfte und Fähigkeiten genau kennen, denn es ist nun mal ein weiteres Teil, das mitgeführt und umgeklinkt werden muss. Besonders auch das Mitführen, für das ja nun mal auch eine Hand benötigt wird, muss berücksichtigt werden.

Richtig sinnvoll ist der Einsatz eigentlich nur in langen Steilpassagen, wenn man absehen kann dass einem die Kraft irgendwann ausgeht. Dann aber unbedingt rechtzeitig einklinken- verhilft seltsamerweise zu ungeahnter Ruhe und Kraft, jedenfalls bei mir. In kurzen Steilpassagen, die man normalerweise locker bewältigen kann ist es eigentlich schon zu viel des Guten und verplempert unnötig Kraft beim Umhängen. Wenn man klettersteigerfahren und topfit ist und sich eine Kategorie C-D locker zutraut, ist es wahrscheinlich eher des Guten zuviel. Nicht zu vergessen: der ferrata.bloc macht aus einem Anfänger keinen Experten- man muss nach wie vor wissen was man tut. Via-ferrata.de formuliert es treffend: dass man auch mit dem ferrata.bloc NICHT in Klettersteige einsteigen sollte, denen man auch unter „normaler Sicherheitsausrüstung“ nicht gewachsen wäre…

Mein persönliches Fazit: sicherheitstiftendes Teil, wenn man es richtig einzusetzen weiss. Zusätzliche mentale Unterstützung in Adrenalin-schwangeren Klettersteigen mit längeren vertikalen oder überhängenden Passagen. 

Weitere kurze Berichte / Forumsbeiträge gibt es auch bei gipfeltreffen.at und via-ferrata.de.

Gebrauchsanleitung

Erwerben kann man den ferrata.bloc unter anderem bei den Bergfreunden und der Preis liegt bei knapp 80€.

 

Nachwort:

Bei der Tour haben wir dann im Klettersteig noch einen Geocache versteckt: Via Ferrata delle Taccole (GC3N1XN, D3/T5) . Hier gab es nach vier Wochen den FTF. Hier ein paar Impressionen von unserer Versteck-Tour.