Via dei Contrabbandieri – Sentiero Torti: „DER“ Schmugglerpfad

Sentiero (Massimiliano) Torti, der etwas andere „Klettersteig“.

Nach unzähligen Kletterurlauben am Gardasee dachten wir eigentlich alle Klettersteige zu kennen, aber eine Via Ferrata haben wir nur durch den örtlichen Geocache entdeckt: den Percorso Alpinistico Sentiero Torti aka Via dei Contrabbandieri („Der Schmugglerpfad“). Eigentlich ist es auch kein Klettersteig, sondern nur ein „Fussweg“ der besonderen Art. Der Geocache und der Weg selbst sind ein absolutes Highlight und können nur wärmstens empfohlen werden. Wer mit Höhenangst oder -schwindel kämpft, sollte allerdings hier nicht antreten. Die Aussicht ist unglaublich und man würde nie erwarten, dass es hier einen Weg gibt.

Warum ist dieser Weg etwas Besonderes? Er liegt südlich von Riva, direkt unterhalb des Örtchens Pregasina. Genauer: ca. 150m über der westlichen Gardaseestraße (Gardesana Occidentale). Noch genauer: direkt hinter den Steinschlagnetzen. Und ohne Geländer.

Ein ordentlicher italienischer Wanderweg

Der Weg ist „großzügig ausgebaut“ und an einigen Stellen doch fast 1,5m breit. An anderen Stellen einen halben Meter und an wiederum anderen Stellen gar nicht mehr vorhanden. Hier gibt es dann vereinzelte homöopathische Drahtseilsicherungen. Ansonsten darf man sich völlig frei bewegen. Gleichwohl gibt es in regelmäßigen Abständen Bohrhaken für eine laufende Seilsicherung.

Der Weg wird in beiden Richtungen begangen, wir haben uns für die Nord-Süd-Variante entschieden. Unser Auto haben wir in Pregasina geparkt. Von dort geht es zunächst ein Stück auf der alten Ponalestraße entlang und dann auf einem kleinen Trail zum Einstieg. Hier begegnet man dann den ersten Steinschlagnetzen.

Der Einstieg

Nur mit einem Klettersteigset alleine sollte man hier nicht antreten, denn nur wenige Stellen sind drahtseilversichert. Selbst hier reichen im Zweifel dann auch 2 Bandschlingen mit Karabinern, denn der Weg ist fast nur horizontal und technisch unschwierig. Wir hatten zusätzlich unser 40m Seil für „Spezialeinsätze“, Sicherungsgerät und einige Expressen dabei. Damit haben wir am laufenden Seil gesichert. Dazu haben wir uns mit ca. 15-18m Seillänge miteinander verbunden und das Seil durch Expressen an den vorhandenen Bohrhaken mitlaufen lassen. Der Nachsteiger hat die Expressen eingesammelt und am Stand übergeben. Nur an 3 Stellen haben wir eine echte Partnersicherung durchgeführt. Man muss sich nur im Klaren sein, dass das laufende Seil nur den schlimmsten Fall verhindert, den Komplettabsturz. Ein Sturz ist daher absolut zu vermeiden, insgesondere wenn man zwischen Vor- und Nachsteiger keine Haken mehr hat. An einigen Stellen haben wir auf Sicherung verzichtet, da wir ansonsten zu lange gebraucht hätten. An der Stelle auf dem nachfolgenden Bild wiederum empfiehlt sich die Partnersicherung:

Nach 7h waren wir dann am Ausstieg, knapp oberhalb des Hotel Pier. Die Zeit hätten wir deutlich optimieren können, wenn wir nicht am örtlichen Geocache vorbeigelaufen wären (hust), wieder zurückgegangen und den Weg teils doppelt gegangen wären. Allerdings haben wir auch ausgiebig die Ausblicke genossen und am Cache ein längeres Päuschen eingelegt. Wer sein Auto in Pregasina parkt und am südlichen Ausstieg glaubt, jetzt ist alles vorbei, wird schnell eines besseren belehrt. Die lokale Hinweistafel sagt dazu nur kurz und knapp:

Der Weg überwindet 250hm bei einer horizontalen Entfernung von 400m. Es sind einge Stelle UIAA 1+ dabei, die Krux ist eine UIAA 2- Stelle mit Wurzelsicherung. Dieser Rückweg hat es aber wirklich in sich.

Der Sentiero Torti selbst ist wenig anstrengend. An einigen Stellen ist kräftiges Zupacken erforderlich, sonsten ist es „nur“ laufen. Gleichwohl kann es mental anstrengend werden aufgrund der permanenten Ausgesetztheit. Man muss ständig wachsam sein, um z.B. nicht mit dem Rucksack an einem Felsvorsprung hängen zu bleiben. Dieser Cache ist nichts für Kletter(-steig)anfänger und nur mit einem Klettersteig-Set einzusteigen ist fahrlässig. Dieses hilft nur an wenigen Stellen. Ein zusätzliche Seilsicherung an den vorhandenen Bohrhaken ist unerlässlich, da man sich größtenteils ohne Drahtseilversicherung bewegen muss.

Alternativ kann der Weg auch von Süden nach Norden begangen werden. Allerdings sind am dortigen Einstieg kaum Parkplätze vorhanden und man muss entweder zu Fuss an der Ponale zurückgehen oder den Bus nehmen. Von Pregasina aus den südlichen Einstieg im Abstieg zu nehmen würden wir keinesfalls empfehlen. Die GPS-Tracks enthalten alle Varianten.

 

 

Ungefähr knapp unterhalb der Bildmitte verläuft der Sentiero Torti.

 

Wenn man gerade in der Nähe ist, sei noch dieser Geocache empfohlen. Speziell für heiße Tage: