Exped Bivy-Poncho Extreme im Testlab

Ein Poncho? Da beginnt bei mir ganz schlimmes Kopfkino: Wohlgenährte Halbschuh-Touristen bei Regen auf der Uferpromenade in Hallstatt, verrückte Teenies mit durchsichtigen Einweg-Regenponchos auf einem Open Air oder die CNN-Reporterin mit Föhnwelle bei ihrem Bericht über den letzten Hurricane. Ersetze „Wohlgenährte Halbschuh-Touristen“ durch „Japaner“. Nun kommt erschwerend hinzu, daß man in einem Poncho immer aussieht wie ein Mönch auf Pilgerfahrt oder ein nasser Sack auf Ausflug.

Daher verstrichen mehrere Jahrzehnte meines Lebens ohne Tragen eines solchen Kleidungsstücks. Oft war ich auch mit meinem geliebtem Regenschirm unterwegs sofern man nicht alle Hände frei haben muss. Anlässlich unserer Skandinavien-Tour habe ich das Thema nochmals überdacht, da in Norwegen Regenschutz extrem wichtig ist. Selbst die besten Membranen verhindern nicht optimal , dass über diverse Öffnungen Wasser eintritt, man sich bei Bewegung selbst kondensiert und die Schulterpartie durch Druck des Rucksackgurtes durchnässt. Dazu kommt, dass eine Rucksack-Hülle Wasser direkt zum Körper leitet bzw. Wasser den Rücken herunterläuft und so eine weitere Belastung für die Membran entsteht.

Ein Poncho schient eine geeignete Ergänzung zu sein, da er a) schnell anzuziehen und b) luftig ist und c) er den Träger und Rucksack in einem schützt. Außerdem kann er als Reserve fungieren. Bei der Recherche stieß ich schnell auf den Exped Bivy Poncho Extreme, der neben Regenschutz – wie der Name schon sagt – als Biwaksack, Tarp und zusätzlicher Zeltschutz dienen kann. Er machte einen robusten Eindruck und war mit unter 400g auch nicht zu schwer. Der Bivy-Poncho wurde mir von Bergfreunde.de zum Test zur Verfügung gestellt. Nach einigen Testmonaten in verschiedensten (Regen-) situationen kann ich nun ein Fazit ziehen.

Zunächst hier die technischen Daten des Bivy-Poncho Extreme:

  • Maße: 2.40 m lang x 1.50 m breit
  • Gewicht: 390g (Herstellerangabe), 381g (eigene Messung)
  • Material: Silikon-Ripstop-Nylon
  • Packmass: 30 x 25 x 2 cm (in Brusttasche)
  • Farbe: grün
  • Körpergrösse: 160 bis 190 cm, verkürzt 140 bis 170 cm

Neben dem von uns getesteten Bivy-Poncho Extreme gibt es noch den Bivy-Poncho (460g) und den Bivy-Poncho UL (375g).

Der Bivy-Poncho ist robuster und langanhaltend wasserdicht und somit die schwerste Variante. Der Bivy-Poncho UL ist etwas leichter als die Extreme Variante. Durch die verschweissten Nähte ist er langanhaltend wasserdicht, gleichzeitig aufgrund des leichteren Stoffes aber weniger robust. Der Bivy Poncho Extreme ist besonders reissfest, jedoch weniger lang wasserdicht, da die Nähte nicht bandgeschweisst sind, sondern mit aufquellendem Baumwoll-Polyester-Faden genäht sind. Diese Dichtart ist bewährt, allerdings sollten die Nähte mit einer Nahtdicht-Paste nachgedichtet werden.

Ich entschied mich bewusst für die „Extreme“-Variante aufgrund ihrer Reissfestigkeit, da mir ein Einsatz als Not-Tarp und zusätzlicher Zeltschutz bei Wind und Regen wichtig war.

 

Beschreibung und Einsatzmöglichkeiten

Der Bivy-Poncho kommt mit einem integrierten Packbeutel. Beim Tragen des Ponchos kann man dort zugleich kleinere Ausrüstungsgestände wasserdicht verstauen.

Ausgepackt und ausgebreitet – Innenseite

und hier von der Aussenseite

 

Einsatz als Regenponcho

Anziehen ist ganz einfach – einfach über den Kopf streifen. An den Seiten hat der Poncho zusätzliche Druckknöpfe, um ihn – z.B. bei Wind – zuknöpfen zu können.

Mit dem integrierten Kordelzug kann man den Poncho zuschnüren, damit er bei Wind nicht durch die Gegend flattert. Und man sieht auch richtig sexy darin aus. [Ironie OFF] Im verpackten Zustand ist der Kordelzug gleichzeitig auch Trageschlaufe. Allerdings ist das Binden etwas fummelig – das sollte man vorher unbedingt üben. Der Poncho schützt zuverlässig vor Regen und Nässe. Bei unseren Touren sind wir nie nass geworden mit diesem Teil.

Der integrierte Schirm der Kapuze kann vor- und zurückgeklappt werden. Letzteres erhöht das Sichtfeld. Die Kapuze ist pfiffig gestaltet und macht insbesonders Drehungen des Kopfes gut mit.

Im unteren Teil kann der Poncho hochgeknöpft werden. Somit kann er auch von kleineren Personen (140-170cm) getragen werden. Diese Funktion kann man aber auch nutzen wenn man im buschigen/dornigen Gelände unterwegs ist, um den Poncho im unteren Teil vor Rissen oder Hängenbleiben zu schützen.

Über die Druckknöpfe an den Seiten kann man den Poncho auf unterschiedlich große Rucksäcke einstellen.

 

Einsatz als Biwaksack

Als weiteres Einsatzgebiet kann der Bivy-Poncho auch als (Not-)Biwaksack dienen. Er ersetzt natürlich keinen vollwertigen Biwaksack, aber dafür hat man auch nur ein Teil dabei. Im Sommer reicht er in lauen Nächten auch so.

Für den Umbau faltet man den Poncho zur Hälfte entlang der Längsachse und verschliesst ihn mit den Druckknöpfen, die sich an allen Seiten befinden. Das „natürliche Kopfloch“ des Poncho befindet sich nun an der Seite und wird mit einem Kordelband wasserdicht verschlossen.

Ein wenig Gymnastik und man ist verpackt. Das Kopfteil sollte man aber nicht zu eng verschliessen, da man sonst leicht als Brühwurst enden kann.

 

Einsatz als Tarp

Mit Hilfe von etwas Zubehör und zwei Trekkingstöcken (und/oder Bäumen) kann man den Poncho schnell als Tarp in verschiedenen Varianten für zusätzlichen Schutz aufbauen.

Eine mögliche Variante als einfacher Wetterschutz bzw. Tarp, abgespannt mit zwei Trekkingstöcken. In diesem Fall sagen Bilder einfach mehr als tausend Worte…

Die 3 nächsten Bilder zeigen mögliche Befestigungsvarianten. Mit den 8 Befestigungsschlaufen an den Ecken und den Längsseiten gibt es unzählige Befestigungsmöglichkeiten.

Ein weitere Variante mit einer zwischen zwei Bäumen gespannten Schnur.

 

Regen- und Nässeschutz

Auf unseren Touren hat er uns gut geschützt und kein Wasser durchgelassen. Da er über den Rucksack gezogen wird, gibt es auch keine Druckstellen wo verstärkt Wasser eindringen kann. Bei längeren Märschen und/oder kräftigem Regen sollte man den Poncho ergänzen um Gamaschen, Chaps oder eine Regenhose (z.B. PacLite), da es sonst ab den Knien abwärts schon etwas feucht werden kann. Auch weil der Poncho ordentlich Wasser nach unten ableitet. Ansonsten dringt Wasser maximal durch über das Gesichts oder läuft die Hände/Arme herunter ins Innere. Gerade bei wärmeren Temperaturen schwitzt man in Regenjacken oft mehr von innen als Wasser von aussen kommt. Hier ist der Poncho eine luftige Alternative.

 

Weitere Anwedungsgebiete

Der Poncho kann zudem noch genutzt werden als Regenauffang-Tuch, Verletztenbahre, Schwimmhilfe mit Gras gefüllt, als Zeltunterlage und selbst als Hängematte. Für letzteres fehlte mir der Mut für einen Test. Dazu muss er auch mit dickerer Reepschnur oder einem Seil gut abgebunden werden. Wenn man zu zweit unterwegs ist, kann man auch zwei Ponchos zusammenknüpfen und dadurch die Fläche verdoppeln.

Der Produkt Manager von Exped für den Poncho macht den Erklärbär:

 

Der Bivy-Poncho Extreme kostet bei den Bergfreunden 109,95 €.

 

Fazit

Tolles Teil. Ein Allrounder, der viele Einsatzbereiche abdeckt, aber natürlich keinen vollwertigen Biwaksack oder größere Tarp ersetzt. Durch das geringere Gewicht ist er aber ein Immer-Dabei-Teil und kann mehrere Ausrüstungsgegenstände ersetzen. Natürlich hat er Limitierungen – z.B. ist er nicht für Klettertouren geeignet oder dort wo absolute Bewegungsfreiheit notwendig ist. Aber gerade bei Trekking- oder Wandertouren ein guter Begleiter. Der Nässeschutz ist gut. Gleichzeitig ist er sehr luftig und man kann die Luftzirkulation gut kontrollieren. Gerade bei wärmeren Außentemperaturen ein klarer Vorteil gegenüber der Bratschlauch-Variante der Regenjacke.

Bei Zelttouren mit kleinen Zelten kann man ihn als zusätzlichen Schutz verwenden, z.B. während des Zeltaufbaus. Insgesamt sehr durchdacht mit vielfältigen Einsatz- und Aufbaumöglichkeiten. Bei Trekkingtouren mit Zelt ist er jetzt immer dabei. Und das Beste an diesem Teil: Man sieht sooo sexy aus!

 

Kaufempfehlung!

 

Links

Bergfreunde.de

Exped im Web

Exped Bivy Poncho Extreme