Mont Chaberton 3136m

Da der nächste Trip in die Seealpen bereits seine Planungsschatten vorauswirft, ist jetzt der perfekte Zeitpunkt, den letztjährigen Urlaub noch mal Revue passieren zu lassen.

In guter Tradition waren wir mit einigen Jeeps zum „hochalpinen Dreikampf –  jeepen, cachen, schlemmen“ – Copyright @BlueGerbil – in Briançon. Wir machten allerdings einen Vierkampf daraus und ergänzten „Bergsteigen“. In der Region kann man im September einfach wunderbar ohne schwere Hochtourenausrüstung die 3000er erklimmen.

Diesmal stand der Mont Chaberton auf der Liste. Eine Berg buchstäblich wie eine Festung, mit sehr interessanter, bewegter Geschichte und ja, natürlich, einigen feinen Geocaches auf dem Weg zum und natürlich am Gipfel:

Der Gipfelcache    Mont Chaberton 3131 m by Smell the Roses | GC1WQRN

Die meisten der Geocaches auf dem Weg zum Gipfel sind vom guten Mpoup, der hier im Blog schon Erwähnung fand. Seines Zeichens Bergführer und Geocacher (und damit weltbester Tourist Guide!), sind seine Wegbeschreibungen in den Listings perfekt und äusserst hilfreich bei der Tourenplanung.

Der Mont Chaberton mit dem gleichnamigen Fort war einst eines der beliebtesten Tourenziele bei Offroadern (ein-wie zweiachsigen). Die „Pisten“ sind nach einigen Hangabgängen seit einigen Jahren nicht mehr befahrbar und seit 2000 ist das Befahren auch für Enduros verboten. Der Heilige Gral der Offroader und ehemals höchste anzufahrende Punkt der Alpen wird nun zum Ziel für Geocacher, Skyrunner, Mountainbiler, Hiker und Bergsteiger.  Wir sind zwar Jeepfahrer und haben vier völlig gesunde Reifen. Aber verboten ist nun mal verboten und weiter oben ist es selbst für Enduros arg eng. Wir haben schliesslich auch Beine und Hände zum Laufen und Klettern. Und somit kommen wir von der anderen Seite und sehen nicht den „Gespaltenen Fels (Roccia tagliata)“.

Es gibt von französischer und italienischer Seite mehrere Varianten, den Gipfel zu erklimmen. Wir wollten die Tourenvariante mit Kletterpassagen auf der Süd-Ostseite des Berges von Claviere aus angehen. Hier präsentiert sich dem Bergsteiger eine etwas anspruchsvollere Variante mit im ortsnäheren Abschnitt durchaus nicht immer klarer Wegfindung (September 2013). Weiter oben ist die Markierung aber wunderbar. Vernünftige Routenbeschreibungen für diese Variante sind rar und nur auf italienisch zu finden. Dazu einige Userbilder mit Routenverlauf auf Gulliver.it.

Bis zum Gipfel sind etwa 1370hm zu bewältigen, gesamt also schlappe 2700hm. Wir schaffen es tatsächlich, um 7.30h in Claviere zu sein (von Briançon aus) und wie geplant pünktlich zu starten. Das Pfädchen windet sich an der Batteria Alta vorbei, immer steiler werdend über Schrofen und Wiesenabschnitte. Es folgte auf ca. 2800m eine der mit Abstand abenteuerlichsten Schotterfeldquerungen, die ich bis jetzt erblicken durfte.

Chaberton

Hier sollte etwa 300 Meter unter dem Gipfelaufschwung die 2-3er Kletterroute beginnen. Es war nicht so einfach, Informationen über die Route zu beschaffen. Man las und hörte aber hier und da, dass man nur Notfall- Kletterausrüstung bräuchte und eine Durchsicherung nicht nötig sei. Sollte man auch meinen bei der 3er Klassifizierung, da muss man ja maximal hier und da mal Hand an den Fels legen. Dachten wir. So haben wir auch nur das Nötigste dabei: Gurte, ein paar Karabiner, Schlingen und das 30 m Seil für Spezialeinsätze. Diese Beschreibung war sehr hilfreich. Und dieser Hinweis: „Sconsigliamo fortemente la discesa dallo stesso itinerario di salita, in quanto disagevole e con forte pericolo di provocare la caduta di pietre.“ Auf hessisch: Gehst Du hier widder runner wo Du ruff bist, kriegste Steine uff de Delles und fliechst uff de Fress.

Nun ja, wie wir so dem Gipfelaufschwung näherkommen, werden die Augen schon ein wenig grösser. Das soll eine 3 sein?

Wir machen erst mal kurz Pause, legen die Gurte an und suchen die Markierung. Der Weg geht nicht rechter Hand über den Grat (locker UIAA 6), sondern quert besagtes Schuttfeld nach links und verschwindet in den Felsen. Die Markierung ist immer der beste Weg. Also los.

Die Route windet sich an den Felsen unterhalb des Gipfels entlang. Wir steigen sicher noch 50hm, bevor wir den ersten Haken sehen. Wir beginnen zu sichern. Nach zwei Seillängen ist klar, dass das überhaupt nicht nötig ist: der Fels ist griffig und, wie eigentlich immer bei solchen Routen, wenn man die Drei-Punkt-Regel befolgt ist man wunderbar beraten. Am schwierigsten finde ich die Stellen die steil und geröllig sind; die Kraxelei aber ist schön.

Das Wetter ist mal wieder brillant, wie schon am Triglav klappt alles wie am Schnürchen. Die Sicht ist spitze. Unser Aufstieg wird begleitet vom Rauschen der Segelflieger, die über den Gipfeln ihre Runden drehen- der Flugplatz in Gap ist nicht weit. Gegen Mittag sind wir am Gipfel. Lob für die Mühe gibt es von pensionierten italienischen Gebirgsjägern, mit denen wir kurz mit Händen und Füssen über die Kletterei schnacken.

Briancon

Wir gehen erst mal den Cache in den Befestingungsanlagen suchen. Zurück am Gipfel dann die Aussicht geniessen: an diesem Tag reicht der Blick bis zum Mont Blanc (Tipp: Rechte Seite des linken Geschützturms im nächsten Bild). Wahnsinn!

Der Gipfel ist so ganz anders als alles was man sonst so kennt- alles flach bzw. planiert. Die Festungsanlagen sind zwar beeindruckend, jetzt aber nicht so ganz das was mir so vorschwebt wenn ich an „Berggipfel“ denke… wir rasten kurz, geniessen den 360°- Panoramablick mit Segelfliegern und steigen dann ab in Richtung Col du Chaberton, wo noch ein Cache darauf wartet gefunden zu werden.

Chaberton von oben – Blick nach Fenils

Der Abstieg nach Claviere über den Wanderweg ist abgesehen vom Geröll im oberen Teil sehr malerisch, er geht durch ein kleines Flusstal mit grünen Wiesen inklusive einiger Dosen. Wem die Füsse qualmen, der kann sie hier abkühlen 🙂 Sehr hübsch.

Schliesslich erreichen wir müde, aber glücklich den Parkplatz in Claviere und sind etwa um 19.30h am Pizzawagen in Briançon. Zweimal die Familienpizza und zwei eiskalte Cola bitte 🙂

Im unserem Fotoalbum gibt es noch weitere Impressionen von der Tour:

 

Fazit: eine Bergtour mit Geschichte, super Ausblicken, Segelfliegern, leichter Kletterei und einem etwas anderen 3000er an einem perfekten Tag.

 

Routenbeschreibungen:

Gulliver.it

Altox.it

Kaps.it (Danke an Gudrun für den Link)

 

Weiterführende Links:

Chaberton – die höchstgelegene Festungsanlage der Alpen

Chaberton auf Alpenrouten.de

Mount Chaberton fortress auf Exploguide

Strada militare dello Chaberton

Storia della Batteria dello Chabertondal 1886 al 1914

 

Die Geocaches:

BATTERIA ALTA : La Madonnina by Mpoup | GC4ENZ8

BATTERIA ALTA : Punto Panoramico Alto by Mpoup | GC4EQ2T

BATTERIA ALTA : La Traversata by Mpoup | GC4ETF8

BATTERIA ALTA : La Batterie du Chamois by Mpoup | GC4F4DK

Der Gipfelcache:

Mont Chaberton 3131 m by Smell the Roses | GC1WQRN

COL DU CHABERTON by Mpoup | GC35V2Q

LES SEPT FONTAINES by Mpoup | GC35V42

LE VERROU DES BAISSES  by Mpoup | GC35V56

PIQUE-NIQUE AUX BAISSES by Mpoup | GC35V6C

 

 

Ein guter Aussichtspunkt zum Chaberton befindet sich übrigens hier: