Fotostory: Winterüberschreitung Falken und Hochhäderich

Immer in der Faschingszeit starten wir eine kleine Flucht in die Berge. Garantierte Narrenfreiheit ist gefragt. In diesem Jahr entschieden wir uns für einen Trip zur Alpe Hörmoos im Allgäu. Gelegen in Deutschland unweit des westlichen Ende des Nagelfluhkette und im Winter erreichbar zu Fuß, mit Schneeschuhen oder Tourenski von der Alpenarena Hochhäderich in Vorarlberg. Als klassische Berghütte gibt es Lager und Doppelzimmmer. Und sein Gepäck trägt man entweder selbst oder nutzt den Skidoo-Service. Wir hatten alles im Rucksack dabei und trugen alles in einer knappen 1/2h zur Hütte – was sich später noch als Vorteil erweisen sollte. Wir wollten ein verlängertes Wochenende bleiben mit ingesamt 3 Übernachtungen.

Unsere Haupttour sollte eine Überschreitung von Falken und Hochhäderich sein. Im Sommer eine Gratwanderung mit einigen seilversicherten Passagen als Halbtagestour. Im Winter bestimmt eine lustige Veranstaltung – hofften wir! Wir hatten einige Bilder aus dem Sommer sowie eine GPX-Datei. Zu Wintergehungen hatte ich im Internet nichts gefunden.

Das Wetter veranlasste uns aber die Tour immer weiter nach hinten zu schieben. Zwei Tage verbrachten wir zunächst mit Skitouren im „Nagelfluh-Westend“ und am nahegelegen Imberg. Das Wetter war ein Wechselbad der Gefühle. Erst fiel 1/2m Schnee. Nur um am nächsten Tag bei Wind und zuletzt Regen über Nacht wieder komplett zu tauen. Alles natürlich auch verbunden mit einem entsprechendem Anstieg der Lawinengefahr. Natürlich war das nur in unserem Zielgebiet der Fall. Aber zuviel Glück ist ja auch irgendwie doof.

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Am letzten Tag hatten wir dann endlich ordentliches Wetter und die Lawinenstufe ging auf 3 zurück. Die Temperaturen waren frühlingshaft. Wir wollten die Gelegenheit nutzen und nahmen alles Gepäck mit, da wir dann direkt vom Hochhäderlich nach Hause fahren wollten. Die Rucksäcke waren nicht wirklich schwer für eine mehrtägige Tour im Winter mit Hüttenübernachtung, aber 14 Kilo ohne Wasser und Ski bleiben auch nicht unbemerkt.

Es ging von der Hörmoos-Alpe mit den Tourenski zunächst auf dem Fahrweg zur Falkenhütte.

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Hier mussten wir unserer täglichen Pfadfinderpflicht nachgehen und einen armen kleinen verwirrten Regenwurm auf ein schneefreies Stück setzen. Der kleine Selbstmörder.

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Schon früh am Morgen waren wir nur noch im leichten Strick unterwegs. Außerdem sahen wir schnell kleine Lawinenabhänge von den letzten Tagen, eben genau im „felsdurchsetzten Gelände“ und an „steilen, glatten Wiesenhängen“. Wir waren gespannt auf die Verhältnisse am Grat und hofften, daß es trotz der schwierigen Verhältnisse sicher klappen würde.

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Zur groben Orientierung diente ein GPS Track. An der Falkenhütte folgten wir den Geländestrukturen. Es lag hier oben noch ordentlich Schnee. Außerdem vermieden wir die Grashänge und blieben weitesgehend direkt oben am Grat.

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Nach einen kurzen Anstieg mit Ski durch den Wald waren wir dann auch oben am Grat zum Falken. Bisher war es eher ein lockerer „Spaziergang“ und wir ahnten noch nicht welche leicht epischen Ausmaße dieser Ausflug annehmen sollte.

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Schon bald begannen die ersten Tragepassagen. An eine Querung an den Grashängen war aufgrund der Lawinengefahr nicht zu denken. Der Schnee war zum Glück griffig und wir konnten auf Steigeisen und sonstiges Metallwerkzeug verzichten. Aber zu schön ist ja auch irgendwie doof.

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Nach einen kurzen knackigen Anstieg standen wir dann am Gipfelkreuz des Falken.

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Von hier oben hatten wir einen tollen Blick auf beide Seiten der Nagelfluhkette und natürlich auch auf unseren Startpunkt sowie unseren bisherigen Weg.

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Nach dem Besuch des Gipfelkreuzes machten wir uns auf die Suche nach dem lokalen Geocache. Das Spoilerbild war aus dem Sommer und half bei 2m Schneehöhe nur bedingt. Dank Hinweis lokalisierten wir die ungefähre Stelle, aber bei einem geschätzen 45°/50° Grashang mit Südausrichtung verzichtete ich auf diesbezügliche Unternehmungen. Ein Grund mehr nochmal im Sommer zum Falken zu wandern.

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Nach einer kurzen Fahrt auf Ski begann der Übergang vom Falken zum Hochhäderich. Er begrüsste uns direkt mit aktuter Schneearmut am Grat im Wechsel mit lawinengeplagten Grashängen, windverblasenen Stellen mit hüfthohem Pappschnee und auch wieder Skipassagen. Das dauerte natürlich alles. Ski runter/rauf, Felle runter/rauf. Ich ahnte, daß wir das Tempo nicht halten werden.

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Dann stießen wir auch auf die ersten drahtseilversicherten Passagen. Eigentlich unkritsch, nur blieben die Ski immer in den Bäumen hängen. 🙂

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Eine Passage mussten wir tatsächlich komplett umgehen. Unter einem Felssporn befanden sich steile schneebedeckte Grashänge, die wir nicht queren wollten. Daher seilten wir an sicherer Stelle von diesen Felsen ab. Gut, daß wir das Immer-dabei-Seil eingesteckt hatten. Sichä is sichä.

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Langsam schritt die Zeit voran. Wir hatten zwar schon einige Meter auf dem Grat zurückgelegt, aber er wollte kein Ende nehmen. Der Schnee war direkt auf dem Grat tief und sulzig, daher kamen wir auch nur langsam voran. Auch drückten langsam die Rucksäcke. Es war wieder einer dieser Trips…

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An einigen Stellen waren wir dankbar für die Drahseilversicherung. Diese Allgäuer Grathänge können im Winter wirklich beeindrucken. 🙂 Meine Thermosflasche – möge sie in Frieden ruhen – kann ein Lied von ihrem letzten Tag in meinem Besitz singen. Jedenfalls war das ein sehr, sehr schneller und langer Abgang.

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Wir stiegen immer höher am Grat zum Hochhäderich und fragten uns langsam, ob es eine Endlosschleife ist. Aber dann sahen wir auf einmal das Ende. Natürlich vorher nochmal ein längeres Schneebrett mit hüfthohem Schnee und dann standen wir hier:

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Tja, was soll man sagen? Augen zu und schnell einzeln durch. Geschwindigkeit ist hier Trumpf. Schön nahe oben am Fels im flachen Bereich. Diese Wächte ist großartig, oder? Am Ende standen wir dann am Hochhäderich. Die letzten 300-400m Luftlinie waren recht anstrengend und wir machten erstmal eine Trink- und Ausblickpause. Dann begab ich mich einige Höhenmeter abwärts für einen Versuch bei einem weiteren Geocache.

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Und dieser lag gut geschützt unter einer Wurzel und war recht schnell aus seinem Versteck befreit.

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Nach einen kurzen Anstieg ging es dann auf Ski via Berggasthof Hochhäderich zu den Pisten der Alpenarena Hochhäderich und dann zum Auto. Pünktlich zum Pistenschluss waren wir dann am Parkplatz.

Klasse Tour. Sie hat etwas länger gedauert als geplant und war leicht „episch“ angehaucht. Die Verhältnisse waren doch „interessanter“ als gedacht und wir verloren einige Zeit im tiefen Schnee am Grat, den Tragepassagen und einigen Umgehungen aufgrund der Lawinengefahr an den steilen Grashängen. Aber mein Mädchen war eine tolle Begleiterin.

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Wir hatten jedenfalls Spaß! Daher kommen wir einfach nochmal im Sommer wieder und machen die Überschreitung mit kurzen Hosen und kleinem Rucksack. Man gönnt sich ja sonst nichts.