Alpenplan für Skischaukel am Riedberger Horn geopfert

Ich bin leidenschaftlicher Skifahrer. Ich esse Nutella mit Palmöl. Ich fahre auch keinen Prius. Aber mir ist es sehr wichtig, daß wir unsere Natur erhalten und schützen. Auch für die nächsten Generationen. Wenn diese uns die Frage stellen „Was habt ihr damals dagegen getan“ möchte ich nicht mit Schamesröte anlaufen. Daher bin ich ein entschiedener Gegner der Skischaukel am Riedberger Horn und der „Abwrackung“ des Alpenplans.

Was ist der Alpenplan?

Der Alpenplan als ein Teil des Landesentwicklungsprogramm Bayern regelt die nachhaltige Entwicklung und Steuerung der Erholungsnutzung im bayerischen Alpenraum u.a. Verkehrserschließungen (z. B. Bergbahnen, Lifte, Skiabfahrten, Straßen und Wege). Der Alpenplan teilt die bayrischen Alpenraum in 3 Kategorien ein, wobei die Schutzzone C die höchste Schutzstufe ist.

 

 

Was ist passiert?

Diese seit 1972 gültige Garantie für die Bewahrung des Alpenraums soll wirtschaftlichen Interessen geopfert werden. Für den Zusammenschluß von zwei Skigebieten am Riedberger Horn soll dieser Alpenplan aufgeweicht werden.  Für die geplante Skischaukel werden 80 Hektar dafür benötigte Fläche aus der strengsten Alpen-Schutzzone C herausgenommen. Damit schafft die Landeseregierung einen Präzedenzfall, der Tür und Tor öffnet für Erschließungsvorhaben in weiteren sensiblen und höchst schutzwürdigen Bereichen der Bayerischen Alpen. Am Riedberger Horn liegt auch einer der letzten Rückzugsorte des ohnehin extrem selten gewordenen Birkhuhns und es ist bisher auch für Skitourer tabu. Aber einen Heimatminister Söder stört das nicht – im Gegenteil.

Geplante Skiverbindung Grasgehren – Balderschwang (DAV/T.Hipp)

 

Erst mit der Entscheidung der Landesregierung können die Gemeinden Obermaiselstein und Balderschwang ihre Baupläne für eine Skischaukel überhaupt erst auf den Weg bringen. Die Verstrickungen einiger Gemeinderatsmitglieder mit den Skiliftbetreibern geben der ganzen Sache einen herrlichen Anstrich von Amigo-Affäre. Aber Gegner findet man in beiden Gemeinden überhaupt nur wenige.

 

 

Warum ist die Abwrackung des Alpenplans ein Problem?

Hier reicht ein Blick über die Landesgrenzen, z.b. nach Österreich. Hier gibt es kein vergleichbares Instrument wie den Alpenplan. Die Erschließungen dort sind teilweise erschreckend und Raubbau an der Natur in höchst sensiblen Bereichen. Aber der Status Quo reicht nicht. Es werden weitere Neuerschießungen vorangetrieben. Der Zusammenschluß von Pitztal und Oetztal mit 64ha Zusatzfläche ist ein solch umstrittenes aber kaum zu stoppendes Vorhaben. Es entstünde das größte Gletscherskigebiet der Welt und das Sodom und Gomorrha von Sölden würde in das Pitztal schwappen. Für einen Teil der dortigen Bevölkerung ein Segen und für nicht wenige auch ein Fluch.

Das richtige Signal wäre, den Alpenplan auszuweiten und nicht ihn abzuwracken. Es sollten die politischen Signale zur weiteren Fortschreibung der länderüberschreitenden Alpenkonvention gesetzt werden.

 

 

Im Zuge des Klimawandels werden viele Skigebiete unter 1500m schwer zu kämpfen haben und es werden Begehrlichkeiten geweckt werden. Projekte wie am Sudelfeld sind wenig zukunftsträchtig.  Im Überlebenskampf vergessen vermutlich viele ihr Gewissen und immer mehr Skiliftbetreiber werden aufgeben müssen. Schon heute ist das klassische Weihnachtsgeschäft dank fehlendem Schnee ein Rohrkrepierer. Gleichwohl verschließen noch viele Ihre Augen davor. Aber es geht um mehr als ein paar müde Euros. Es geht um die einzigartige Kulturlandschaft der Alpen, einen Rückzugsraum für Tiere und ein naturverträgliches Ziel für Natursportler und Erholungssuchende.

Wir waren schon oft am Riedberger Horn und noch öfters an den angrenzenden Hörnern. Wir sind genau deswegen so oft dort weil wir dort das finden was wir anderswo nicht finden: Ruhe ohne Massentourismus, einmalige Tourenmöglichkeiten und sportliche Aktivitäten im Einklang mit der Natur. Wir sind dort so gerne genau weil es so ist wie es ist. Anstatt auf ewig gestrige Ausweitung zu setzen sollten lieber aktuelle Bewegungen aufgegriffen werden. Gerade die „Kunden“ für die diese Skischaukel gebaut wird, verschwinden als erstes in ein höhergelegenes Gletscherskigebiet sobald der Schnee ausbleibt. Über die Kosten und Folgen von Beschneiung müssen wir nicht sprechen. Viele Regionen haben sich auch erfolgreich auf einen Ganzjahresbetrieb umgestellt aufgrund immer unsicherer Winter. Gerade die Bergsteigerdörfer beweisen sehr erfolgreich, daß es auch anders geht.

 

Skitour auf das Riedberger Horn

 

Der Deutsche Alpenverein und andere Naturschutzverbände haben umfangreiche Kampagnen gestartet. Unter #dankealpenplan hat der DAV hier umfassende Informationen zusammengetragen und versucht die Entscheidung zu verhindern. Leider erfolglos. Aber 91% der bayrischen Bevölkerung sind gegen die Maßnahme und möchten den Alpenplan so wie er besteht auch weiterhin beibehalten. Woher die politische Motivation kommt, diese Skischaukel gegen alle Widerstände durchzusetzen, kann man nur mutmaßen.

 

 

Aber der Kampf gegen diese kurzsichtige und habgierige Entscheidung ist noch nicht vorbei. Über 100 Outdoor-Blogger sprechen sich mit der Initiative #bloggerproalpenplan GEGEN diese Entscheidung und FÜR den Erhalt des Alpenplans aus. Wir Outdoor-Blogger haben einen Traum: In 30 Jahren auf dem Riedberger Horn zu stehen und sagen zu können „Gut, dass damals so unglaublich viele gekämpft haben“.

 

 

Werdet alle aktiv und informiert Euch. Teilt Informationen zum aktuellen Geschehen auf euren Social Media Kanälen. Als „Bayrischer Staatsbürger“ kontaktiert euren Landtagsabgeordneten an und/oder postet auf seinen Facebookseiten. Gerne teilt diesen Artikel oder das Video der Outdoor Blogger.

Der Protest darf jetzt einfach nicht aufhören. Vielmehr muss er eine Werbung sein für natürlichverträgliche Aktivitäten in nachhaltigen Gemeinden und nicht für kurzsichtige Maßnahmen wie in diesem Zipfel des Allgäus. Sanfter Tourismus zahlt sich aus und dazu können wir alle unseren Beitrag leisten. Noch wichtiger: Möglichst viele Menschen müssen verstehen, daß es nicht nur um den Bau einer Skischaukel geht sondern etwas viel wichtigeres – den Erhalt unerschlossener Räume und den Schutz der Alpen in der Zukunft.

 

 

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