Klettersteige rund um Cortina d’Ampezzo 1/4

[Gastbeitrag von den Woewarianern (Jutta/Andreas), Teil 1 von 4]

1. Prolog

Unser diesjähriger Sommerurlaub sollte uns nach Toblach im Pustertal am Rande der Dolomiten führen, und parallel zum wachsenden Stapel an Reise-, Wander- und Klettersteigführern wurde auch die Zahl an möglichen Wander- und Klettersteigtouren immer größer.

Was wir jedoch nicht erwartet hatten, war eine Erkältung bei einer Hälfte der Woewarianer und bei der anderen Hälfte ein Ansteigen der Körpertemperatur über das übliche Reisefieber hinaus: 39,5 °C am Abfahrtstag machten die Fahrt nach Südtirol zunächst unmöglich, und statt in zähfließenden Reiseverkehr auf  Autobahn oder in einen Stau vor der Schlüsselstelle in einem Klettersteig reihten wir uns erst einmal in die Schlange der Patienten bei der Hausärztin unseres Vertrauens ein.

Nach vier endlos scheinenden Tagen gaben dann sowohl die Ärztin als auch das eigene Wohlbefinden grünes Licht, und wir konnten endlich in den Urlaub aufbrechen. Einen Tag nach der Ankunft testeten wir unsere Akklimatisation an die Höhe und unsere Fähigkeit, einen Fuß vor den anderen zu setzen, bei einem Spaziergang zwischen dem Rifugio Col de Varda oberhalb des Misurinasees und dem Rifugio Citta di Carpi. Nach 2:45 Stunden Gehzeit (hin und zurück) und 280 Höhenmetern im Anstieg fühlten wir uns zumindest halbwegs geländetauglich und vollends berghungrig und freuten uns schon auf die kommenden Touren.

Galitzen-Klamm

Für den folgenden Tag war dann allerdings schlechtes Wetter vorhergesagt, was uns von einer etwas anspruchsvolleren Bergtour abhielt. Was macht ein Klettersteigler, der noch rekonvaleszent ist und dieses Schild sieht? Er geht zurück zum Auto, wirft sich in Helm, Gurt und Klettersteigset, zahlt den Eintritt in die Klamm und marschiert strammen Schrittes Richtung Drahtseil.

Was macht also ein Klettersteigler, der noch rekonvaleszent ist und schlechtes Wetter befürchtet? Er besucht eine Klamm (O-Ton: „Klamm ist immer gut!“), und zwar in diesem Fall die Galitzen-Klamm in Osttirol in Österreich in der Nähe von Lienz.

Was macht ein Klettersteigler, wenn er sich der Galitzen-Klamm nähert? Er sieht ein Schild mit Informationen über die Klamm – und auf diesem Schild ist ein KLETTERSTEIG, Schwierigkeit B/C eingezeichnet.

Galitzen Klettersteig

Und los geht’s! Staunende sächselnde Zeitgenossen, die Sätze wie „Das siecht awer gons scheen schwör aus“ von sich geben, werden mit einem „Der ist nur B/C, das ist kein Thema“ abgespeist, und während die „normalen“ Klammbesucher über Wanderwege und Holztreppen dem Wasserlauf ganz grob folgen, darf der Klettersteigler die Route entlang der Felsen direkt über dem Wasser nehmen. Der Klettersteigler freut sich über die unerhoffte kleine Kletterpartie, die Arme freuen sich, dass sie mal wieder richtig was zu tun haben, der Kreislauf freut sich, dass er mal wieder richtig in Schwung kommt, die Augen freuen sich, dass sie das tosende Wasser aus nächster Nähe sehen – und der Klettersteigler merkt, dass ein Klettersteig auch bei Schwierigkeit B/C nach einer noch nicht ganz überstandenen Krankheit vielleicht doch keine so gute Idee ist. Er wird schwächer und schwächer, verfehlt kurz beim Aufsteigen mit der Hand das Stahlseil und legt zum Entertainment der anderen Klammbesucher, die für ihren Eintritt ja schließlich auch etwas geboten bekommen sollen, einen kleinen Stunt hin und fällt ins Klettersteigset. Ins Set! Das Ding hält bombig, der Klettersteigler kann darin auch gemütlich über der Klamm abhängen, und unter Mobilisierung der letzten Kräfte (Getschooo! à la Huber-Buam) schafft er auch die restlichen Meter des Steiges. Die Hoffnung der Besucher auf einen spektakulären TV-reifen Einsatz der Rettungstrupps erfüllt sich also nicht.

Galitzen Klamm

Nach dem Ausstieg aus diesem Klettersteig verzichtet dann das Team Woewarianer auf vielfachen Wunsch einer einzelnen Dame auf den zweiten Klettersteig bis Schwierigkeit E, der sich gleich an den ersten anschließt, und leckt erst einmal seine Wunden. Hierzu zählt ein sensationeller Bluterguss am linken Oberarm und ein geschwollener Zeigefinger. Auf die Schilderung, an einem Samstagnachmittag in der größten Stadt Osttirols eine Notfallapotheke zu finden und in derselbigen eine Sportsalbe käuflich zu erwerben, verzichten wir an dieser Stelle. Sie wäre mit Sicherheit einen eigenen Blogbeitrag wert! Als Nachtrag und zur Ehrenrettung sei aber noch erwähnt, dass Klettersteigseiten im Internet bereits den ersten Steig in der Galitzenklamm als „schwer“ klassifizieren, was den kleinen Durchhänger nach gerade überstandener Krankheit sicherlich erklärt.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass die Galitzenklamm je nach Gusto eine leichtere und eine schwierige Klettersteigtour in einer nicht ganz alltäglichen Umgebung bietet, die den Klammeintritt allemal wert ist. Auf jeden Fall hat man als Klettersteiggeher von dem Eintritt wesentlich mehr (inklusive Fun-Faktor) als der „normale“ Klammbesucher, denn der Eintritt kostet unabhängig davon, ob man den Klettersteig oder den Normalweg nimmt, gleich viel.

… to be continued

Galitzenklamm Klettersteig auf Via Ferrata.de

Klettersteig Adrenalin – Galitzenklamm auf Via Ferrata.de

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