Besteigung der Dreieckspitze in Südtirol

Wir freuen uns an dieser Stelle einen Gastbeitrag von Jutta und Andreas vom Team Woewarianer zur ihrer Besteigung der Dreieckspitze in Südtirol veröffentlichen zu können. Wir bedanken uns ganz herzlich für diesen Artikel.

[Schnipp]

Besteigung der Dreieckspitze oder: Gassirunde mit 1400 Höhenmetern  oder: Frau Woewarianers erster Dreitausender

Bei den Planungen unseres diesjährigen Sommerurlaubs, den wir sowohl in Ost- als auch in Südtirol verbringen wollten, stolperten wir in der einschlägigen Wanderliteratur auch über mehrere Dreitausender. Spontan stellten wir uns die Frage, wie viele Dreitausender wir bereits bestiegen hatten. Herr Woewarianer hatte da bereits alpinistische Leistungen vorzuweisen, doch Frau Woewarianer konnte außer Flugreisen (das gilt nicht!) und dem Gornergrat per Zahnradbahn (wie unsportlich!) bisher nichts dergleichen bieten. Auch der im vergangenen Herbst bezwungene Dachstein ist ja je nach Bezugspunkt eher 2995 als 3004 Meter hoch.

Die ersten möglichen Ziele, insbesondere der mit einem recht neuen Klettersteig versehene Glödis in der Schobergruppe in Osttirol, fielen leider dem wechselhaften Alpenwetter zum Opfer und wurden gar nicht erst ernsthaft in Erwägung gezogen. Doch für den 18. Juli vermeldete ZAMG bestes Bergwetter, das sofort genutzt werden sollte.

Inzwischen in Südtirol angekommen entschieden wir uns dabei für die Dreieckspitze (N46° 57.845‘ E012° 07.861‘) nördlich der Rieserferner Gruppe, die für unser Projekt allerdings keine 32 Meter niedriger sein dürfte. Aber mit ihren stolzen 3031 Metern schien sie gut als Tagestour machbar zu sein, so dass wir auf kein längeres Schönwetterfenster angewiesen waren. Außerdem bot sich hier die Möglichkeit, eine Rundtour zu gehen, bei der überdies eine Dreiviertelstunde vor Ende mit der Knuttenalm eine Einkehrmöglichkeit zur Verfügung steht.

Frohen Mutes starteten wir um 6:45 Uhr ohne Sherpas am Parkplatz am Ortsende von Rein in Taufers – und wurden nach ca. 15 Minuten von einem herrenlosen Golden Retriever ohne Halsband und Hundemarke eingeholt. Diesen erwartungsvoll mit seinem Schwanz wedelnden Hund hatten wir schon zwei Tage zuvor zufällig an der Knuttenalm gesehen – und nun tauchte er hier 5 km entfernt wieder auf! Unsere Hoffnung, er würde sich bald wieder trollen, bewahrheitete sich nicht. Er lief mal vor uns, mal hinter uns, tauchte ab und wieder auf, störte nie wirklich, hatte sich aber als blinder Passagier in unser Team hineingemogelt. Auch der Wunsch, am nächsten Viehgatter könnten wir ihn austricksen, ging nicht in Erfüllung. Noch bevor wir dort angekommen waren, kroch er geschmeidig unter dem Gatter durch und wies uns gewissermaßen den Weg.

Unsere Verwunderung über unseren Begleiter wurde aber bald von unserer Bewunderung der Landschaft abgelöst. Nach ca. 1,5 Stunden überschritten wir die Baumgrenze und erreichten die malerische Kofleralm im schönsten Morgenlicht. Die Gletscher der Rieserferner Gruppe zeigten sich in voller Pracht, die Wildbäche plätscherten, die Kuhglocken spielten ihr Morgenlied – und der Idylle-Counter schoss in ungeahnte Höhen und drehte vollends durch. Unser Weg führte uns – und unseren tierischen Begleiter – zu den Koflerseen, und wir waren heilfroh, dass der Golden Retriever das Weidevieh in Ruhe ließ und niemand auftauchte, der sich darüber beschwerte, dass wir „unseren“ Hund im Weidegebiet nicht angeleint hatten.

Wir witzelten, dass er diese Runde wohl täglich als Gassirunde nimmt, und setzten unseren Weg Richtung Bärenlugscharte und Dreieckspitze fort. Hier endete der Almweg, und in dem Schrofenhang leistete unser blinder Passagier uns tatsächlich gute Pfadfinderdienste.

Im Gipfelbereich der Dreieckspitze trafen wir dann mehrere Wanderer, mit denen wir einen kurzen Plausch hielten. Diese bestätigten uns, dass der Golden Retriever tatsächlich morgens an seinem Hof auf Wanderer wartet und sich ihnen dann anschließt! Eine Gassirunde mit 1400 Höhenmetern!

Wir aber waren nun nach etwas Turnerei über Felsblöcke auch an unserem Ziel, der Dreieckspitze, angekommen, und genossen die Ausblicke Richtung Zillertaler Alpen, Hohe Tauern und Rieserferner Gruppe. Ganz im Westen sahen wir Berge, die wir als Ortlergruppe verorteten, doch als Flachland-Hessen sind wir uns nicht sicher, ob wir damit richtig lagen.

Frau Woewarianer, die nun ihren ersten Dreitausender bestiegen hatte, fragte sich insgeheim, ob sie sich 32 Meter tiefer nun anders fühlen würde – aber egal, wir hatten die Dreieckspitze bezwungen, und die hat nun einmal 3031 Meter!

Zur Feier des Tages genossen wir unsere ohne Sherpas mitgeführte Jause – und gaben unserem Gassi-Hund jeweils ein Stück Wurst ab, welches er schnell verspeiste. Danach verschwand allerdings sein Interesse an uns. Er schloss sich einem anderen Pärchen an, welches sich vor uns an den Abstieg machte. Entweder hatte er kein Interesse daran, noch länger auf über 3000 Metern zu verweilen, da er das ja täglich tut, oder er versprach sich von seinen neuen Begleitern ebenfalls noch einige Leckerlis.

Auch ohne unseren vierbeinigen Wanderführer stiegen wir schließlich vom Gipfel ab und bahnten uns unseren Weg in Richtung der Napflacken und schließlich zum Klammlsee. Hier trafen wir auf eine gut ausgebaute Forststraße und Mountainbike-Route, und die letzten Kilometer bis zur Knuttenalm konnten wir schnell zurücklegen. In der Knuttenalm waren wir nach 17 Uhr offensichtlich die letzten Gäste des Tages und erhielten die komplette Aufmerksamkeit des Wirtes. Bei leckeren Schnitzeln und Würsteln ließen wir die Ereignisse des Tages Revue passieren und „rollten“ dann gut gesättigt zurück zum Auto.

Insgesamt ist die Besteigung der Dreieckspitze eine sehr lohnenswerte Tour, da die Gipfelschau an klaren Tagen einfach nur herrlich ist und der Weg durch die Rundtour sehr abwechslungsreich ist. Dafür wählt man sogar auch einmal eine Tour ohne Geocache!

Obwohl: Ohne Geocache? Als wir nach gut acht Stunden (inklusive Pausen) die Mountainbike-Strecke erreichten, waren wir ca. 500 Meter und 50 Höhenmeter von dem Transalp-Cache „Transalp 2K4 – 2“ an der italienisch-österreichischen Grenze entfernt. Diesen mussten wir uns geben! Also nahmen wir die Beine in die Hand, wanderten mal kurz nach Österreich, und suchten und loggten den Cache! [Anm. der Red: Alles andere wäre auch mit 10 DNF’s in Folge bestraft worden.]

Nach einem halben Tag kamen wir schließlich wieder zufrieden an unserem Auto an, es war das vorletzte auf dem Parkplatz. Zu betonen ist hierbei, dass wir die komplette Tour ohne künstlichen Sauerstoff (außer Active O2 von Adelholzener) und im alpinen Stil (d. h. ohne Fremdhilfe, ohne vorher präparierte Route, in einem Zug vom Basislager zum Gipfel und zurück, ohne Materialdepots, Fixseile, Leitern usw.) absolviert haben.

 

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[Schnipp]

Uns bleibt nur Danke zu sagen – Danke an die Woewarianer für ihren tollen Beitrag. Wir freuen uns schon auf die nächsten Touren mit Euch!